Psychiatrische Euthanasie in den Niederlanden:
Eine kritische wissenschaftliche und klinische Untersuchung

Was die Befunde, die Ergebnisse und die dokumentierte Praxis zeigen

Inhalt

1. Vorwort und Zielsetzung

Vor mehr als einem Jahr las ich einen Artikel über die geplante Euthanasie einer 29-jährigen Niederländerin namens Zoraya wegen einer Depression, Autismusmerkmalen und einer Persönlichkeitsstörung [1]. Sie schien eine intelligente Person zu sein, vollständig autonom, ohne körperliche Einschränkungen oder kognitive Beeinträchtigungen, die zweimal pro Woche einkaufen ging, wie die meisten von uns Fernsehen schaute und mit einem liebevollen Partner und zwei Katzen in ihrer eigenen Wohnung lebte [2]. Ich war fassungslos darüber, dass ein Arzt, ein rationaler, wissenschaftlich orientierter Fachmann, eines Tages zu ihr kommen und sie absichtlich töten würde [3]. Da ich keine religiösen Überzeugungen habe, außer meinem Glauben an Wissenschaft, Logik und gesunden Menschenverstand, erscheint mir Euthanasie, meiner bescheidenen Meinung nach, in qualvollen, irreversiblen und unerträglichen Situationen ohne Aussicht auf Besserung als eine humane Handlung. Dieser Grundsatz spiegelt sich auch im niederländischen Recht wider: Euthanasie ist nur bei unbehandelbaren, irreversiblen medizinischen Erkrankungen ohne Aussicht auf Besserung zulässig, die unerträgliches Leiden verursachen [4]. Inzwischen erfuhr ich, dass die Euthanasie dieser jungen Frau kein Einzelfall war, sondern dass psychiatrische Euthanasie recht verbreitet ist und in den Niederlanden bei mehr als 200 Patienten pro Jahr durchgeführt wird [5]. Eine der Patientinnen, die auf Euthanasie wartet, ist eine 40-jährige Mutter zweier kleiner Kinder, die seit der Geburt an schwerer Depression leidet; bevor sie diesen Schritt jedoch vollzieht, ist ein Termin angesetzt, bei dem ihre behandelnde psychiatrische Fachkraft und eine Trauerbegleitung ihren Kindern erklären werden, warum ihre Mutter getötet werden muss [6]. Ich stieß auf einen Bericht über die euthanasierten psychiatrischen Patienten beim niederländischen Expertisecentrum Euthanasie (Kompetenzzentrum für Sterbehilfe) und las alle 140 Seiten davon [7]. Die Hauptdiagnosen der Euthanasierten standen im Zusammenhang mit affektiven Störungen, Trauma oder Stress (Opfer sexuellen Missbrauchs, von Mobbing, Gewalt oder anderen traumatischen Ereignissen), Schizophrenie, bipolarer Störung, Persönlichkeitsstörungen, Angststörungen, Zwangsstörung, Autismus, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Suchterkrankungen oder einer Kombination daraus. Erstaunlicherweise haben auch Essstörungen, somatische Belastungsstörungen (ein Zustand, bei dem ein Patient erhebliche körperliche Symptome empfindet, die Leid verursachen und den Alltag beeinträchtigen, sich aber nicht vollständig durch eine medizinische Erkrankung erklären lassen) oder postpartale Depression zu Euthanasie geführt. Selbst eine anhaltende genitale Erregungsstörung und die Unfähigkeit zum Orgasmus haben zu Euthanasiegesprächen mit Ärzten geführt [8]. Wie konnten Ärzte wie ich dies gutheißen, unterstützen und sogar aktiv daran teilnehmen? Meine Gefühle von Wut und Unverständnis gegenüber dieser Praxis waren so tief und widersprüchlich, so unvereinbar mit meiner Vorstellung einer wissenschaftsgeleiteten Medizin, dass ich mich gezwungen sah, mich dem Thema auf die einzige Weise zu nähern, die mir möglich war, nämlich wissenschaftlich. Ziel dieses Beitrags ist es daher, alle verfügbaren Daten zum Thema psychiatrische Euthanasie, d. h. Euthanasie aus psychischen Gründen bei nicht dementen Patienten ohne körperliche Erkrankung, kritisch zu bewerten und zusammenzufassen.

2. Materialen und Methoden

Ich beschloss, mich auf Fakten, Zahlen und Befunde zu beschränken, um zu irgendeiner Schlussfolgerung zu gelangen und einen Einblick in diese Frage zu gewinnen. Die nachfolgenden Befunde sind das Ergebnis einer 18-monatigen Untersuchung. Zu den Einschlusskriterien gehörten peer-reviewte Artikel, die in jeder Sprache (überwiegend jedoch auf Englisch und Niederländisch), die die relevante medizinische Literatur bis zum heutigen Stand (November 2025) über Euthanasie aus psychiatrischen Gründen umfasst, sowie Patienteninterviews, einschließlich Einschätzungen renommierter Meinungsführer in der Psychiatrie und von Nobelpreisträgern. Angesichts der großen Datenmenge werden die wichtigsten Befunde und Probleme in den Ergebnissen thematisch zusammengefasst.

Ergebnisse
3. Einige der jüngsten bekannten Fälle psychiatrischer Euthanasie: die Spitze des Eisbergs

Zoraya ter Beek, 29 Jahre alt, wurde aufgrund chronischer Depression, Angst und Trauma infolge von Mobbing sowie einer Persönlichkeitsstörung euthanasiert; sie war eine Befürworterin der Euthanasie aus psychiatrischen Gründen und hielt Vorträge darüber; ihr gesamtes Erwachsenenleben (die letzten 10 Jahre) verbrachte sie mit einem liebevollen, unterstützenden Partner in ihrer eigenen Wohnung; in den 4 Jahren vor ihrer Euthanasie erhielt sie keine weiteren Behandlungen, dennoch wurde ihr Leiden als unerträglich beurteilt und sie als unheilbar betrachtet. Einer der führenden Experten unterstützte ihre Euthanasie öffentlich [1,2,9,10].

Milou Verhoof, 17 Jahre alt, wurde aufgrund einer suizidalen Depression euthanasiert, die durch die Nutzung sozialer Medien ausgelöst worden war; ihre Mutter war der Ansicht, dass sie eher an einer posttraumatischen Belastungsstörung als an einer Depression litt, da sie in jenen verletzlichen Jahren auch sexuell missbraucht worden war; bestimmte Therapien konnten wegen jahrelanger Wartelisten nicht sofort durchgeführt werden; einer der führenden Experten, der nie der behandelnde Arzt der Patientin gewesen war, beschleunigte die Euthanasiegenehmigung und führte die Euthanasie selbst durch [6,11].

Romy, 21 Jahre alt, hatte ein traumatisches Erlebnis erlitten und litt außerdem an einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sowie an Essstörungen; der Zugang zu Therapieeinrichtungen wurde dadurch erschwert, dass zunächst Persönlichkeitsprobleme gelöst werden mussten, die Wartelisten zu lang waren, und am Ende wurde sie euthanasiert. Die Familie nahm Kontakt zu demselben führenden Experten auf, der Milou Verhoof euthanasiert hatte. Er bot bereitwillig seine Dienste an, um das Euthanasieverfahren zu beschleunigen [12,13].

Entgegen dem, was man vielleicht denken könnte, waren diese drei jungen Mädchen autonom, unabhängig, nicht kognitiv beeinträchtigt und hatten Freunde und Konten in sozialen Medien. Die veröffentlichten Entscheidungen der Regionalen Euthanasieprüfungskommissionen zu euthanasierten psychiatrischen Fällen umfassen eine erhebliche Zahl Minderjähriger mit psychiatrischen Erkrankungen, viele Opfer sexuellen Missbrauchs, die ihr Trauma nicht überwinden konnten, einsame und sozial isolierte Patienten usw. [14]. Diese Patienten waren nicht nur von ihren psychiatrischen Erkrankungen betroffen, sondern auch durch Missbrauchsgeschichten geprägt (die Niederlande haben eine der höchsten Raten sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in der EU [15]), manchmal unter psychiatrischer Betreuung [16], sowie durch ein fragmentiertes Gesundheitssystem.

4. Euthanasie aus psychiatrischen Gründen verhindert keine Suizide, sondern erhöht die Zahl toter Patienten

Eines der Hauptargumente für psychiatrische Euthanasie lautet, dass assistiertes Sterben die Zahl gewaltsamer und traumatischer Suizide verringern würde [17,18]. Doch die niederländischen Statistiken erzählen eine andere Geschichte. Nach Angaben des Centraal Bureau voor de Statistiek (niederländisches Statistikamt) sinkt die Suizidrate in den Niederlanden nicht. Tatsächlich ist sie bei Menschen bis zum Alter von 40 Jahren stetig gestiegen und hat den höchsten Stand der letzten zwei Jahrzehnte erreicht [19]. Während der Anteil der Euthanasien an der Gesamtzahl der Todesfälle von 1,6 % im Jahr 2007 auf 4,8 % im Jahr 2021 gestiegen ist, hat auch die Zahl der Suizide zugenommen, von 8,3 pro 100 000 Einwohner im Jahr 2007 auf 10,6 im Jahr 2021, ein Anstieg um 27 % [17]. Es gibt daher keinen Beleg dafür, dass psychiatrische Euthanasie Suizide verringert, wie vom Expertisecentrum Euthanasie oder von der neuen KEA-Stiftung, die sich ausschließlich der Euthanasie psychiatrischer Patienten widmet, fälschlich behauptet oder indirekt gefördert wird [20]. Mehrere internationale Studien und niederländische Experten haben ebenfalls gezeigt, dass die Verfügbarkeit von Euthanasie oder assistiertem Suizid die Zahl der nicht assistierten Suizide oder Selbstverletzungen nicht senkt, sondern im Gegenteil die Zahl der nicht assistierten Suizide im Vergleich zu ähnlichen Nachbarländern ohne psychiatrische Euthanasie erhöht, insbesondere bei Frauen [17,21–23]. Schätzungen deuten darauf hin, dass Gesetze zum assistierten Suizid selbstgewählte Todesfälle um 18 % erhöhen, bei Frauen sogar um 40 % [24]. Folglich zieht die Verfügbarkeit von Euthanasie aus psychiatrischen Gründen Menschen an und ermutigt sie, euthanasiert zu werden, die sonst nicht durch Suizid sterben würden. Deshalb haben frühere prominente Befürworter der psychiatrischen Euthanasie ihre Haltung dazu widerrufen: „Mit diesem mutigen Schritt (der Zulassung psychiatrischer Euthanasie) dachte ich, wir könnten den Suizid regulieren und die allzu häufigen Fälle begrenzen, in denen sich ein Mensch das Leben nimmt. Ich habe mich geirrt.“ [17]. Auch anhand der Daten der Weltbank ist zu erkennen, dass die Niederlande zusammen mit Belgien zu den Ländern mit den höchsten Suizidraten unter Frauen in der Europäischen Union gehören und dass diese Rate steigt [25]. Zudem ist die Prävalenz psychiatrischer Erkrankungen in den letzten 10 Jahren von 17,4 % auf 26,1 % gestiegen, was sich nicht durch die COVID-Pandemie erklären lässt [26]. Wenn die „Experten für psychiatrische Euthanasie“ mit akut suizidalen Patienten konfrontiert sind, bieten sie außerdem neben Euthanasie keine sinnvolle Suizidprävention an und haben mehrere Suizide auf dem Gewissen [27]. Dies legt indirekt nahe, dass dem Land im Vergleich zu anderen EU-Ländern die Expertise fehlt, psychiatrische Patienten angemessen zu versorgen. Zusätzlich zu den höheren und steigenden Suizidzahlen nimmt die Gesamtzahl der Todesfälle weiter zu, wenn euthanasierte psychiatrische Patienten hinzugerechnet werden. Niederländische Forscher haben bereits Belege dafür vorgelegt, dass der Anstieg nicht assistierter Suizide und psychiatrischer Euthanasie einen Anstieg selbstgewählter Todesfälle in den Niederlanden um nahezu 50 % in den vergangenen 10 Jahren darstellt [28].

Unterdessen wollen die Experten für psychiatrische Euthanasie Suizidversuche dadurch verringern, dass Euthanasie leicht verfügbar gemacht wird. Auf jeden Suizidtod kommen jedoch etwa 20 bis 30 Suizidversuche [29–31]. Selbst wenn wiederholte Versuche derselben Person herausgerechnet werden, ergibt die Multiplikation dieser neuen Zahl mit den 1862 Suizidtoten im Jahr 2023 in den Niederlanden [19] eine Zahl potenziell euthanasierbarer Patienten in den Zehntausenden. Das bedeutet Zehntausende zusätzliche Todesfälle pro Jahr, wenn Euthanasie leicht verfügbar gemacht wird. Genau das werden diese Experten erreichen, und sie scheuen sich nicht, das auch schriftlich festzuhalten [20].

5. Bis zu 25 psychiatrische Patienten, die Euthanasie beantragen, müssen euthanasiert werden, um einen einzigen Suizid zu verhindern

Die verfügbaren niederländischen institutionellen Daten erlauben diese Schlussfolgerung bereits. Der Bericht des Expertisecentrum Euthanasie zeigt, dass unter 1553 psychiatrischen Patienten, die Euthanasie beantragten, einschließlich 891 abgelehnter Fälle, nur 59 (3,8 %) durch Suizid starben, während über 300 ihre Anträge zurückzogen und am Leben blieben [6,7]. Dies zeigt, dass Suizid selbst in dieser Hochrisikogruppe relativ selten ist. Die sogenannte Number Needed to Harm, also die Zahl zusätzlicher Euthanasietodesfälle pro potenziell verhindertem Suizid, könnte bereits bei 5 liegen, wenn man nur die Patienten beachtet, die ihre Anträge nach zu langer Wartezeit zurückzogen. Berücksichtigt man jedoch die gesamte Kohorte und die anhaltenden Trends zu breiterer Anspruchsberechtigung und beschleunigten Verfahren, könnte diese Zahl eher bei 25 liegen, wenn man die Suizidprävalenz unter allen 1553 Patienten zugrunde legt. Mit anderen Worten: Für jeden potenziell verhinderten Suizid wären mindestens 25 Leben vorzeitig beendet worden, von denen die meisten andernfalls möglicherweise überlebt oder sich erholt hätten. Dies wirft eine ethische Frage auf: Ist es vertretbar, so viele Menschen zu euthanasieren, nur weil ein Bruchteil von ihnen (weniger als 4 %) Suizid begeht? Wie viele der 149 euthanasierten Patienten hätten außerdem ihre Meinung geändert, ohne Suizid zu begehen, wenn ihnen mehr Zeit oder Zugang zu evidenzbasierten Behandlungen gegeben worden wäre?

6. Fehlende Suizidprävention und fehlende Unterstützung für Familien: psychiatrische Euthanasie tritt an ihre Stelle

Aktuelle Informationen zeigen, dass es Hindernisse und Schwierigkeiten bei der wirksamen Umsetzung von Suizidpräventionsmaßnahmen in den Niederlanden gibt. Budgetkürzungen, Personal- und Zeitmangel, erhöhte Arbeitsbelastung der psychiatrischen Versorgungsdienste, Bereitstellung minderwertiger Leistungen, deren operative Isolation und mangelnde Kommunikation mit anderen Gesundheitsdienstleistern oder Einrichtungen, das Versäumnis von Fachkräften für psychische Gesundheit, einen vereinbarten Behandlungsplan einzuhalten, oder manchmal schlicht das Im-Stich-Lassen des Patienten behindern die Genesung oder erzeugen beim Patienten Gefühle der Zurückweisung [26,27,32]. Der Zusammenbruch von Unterstützungsstrukturen, sei es durch unvorhergesehene Schließungen oder durch Umverteilung von Ressourcen, hat viele Patienten ohne stabilisierende Routinen oder therapeutische Kontinuität zurückgelassen. In mehreren Fällen gingen solche Unterbrechungen unmittelbar einer psychiatrischen Verschlechterung voraus und führten zu Anträgen auf psychiatrische Euthanasie [16,33]. Dieser Mangel an psychiatrischer Versorgung wird zusätzlich durch die Massenklage unterstrichen, die im Mai 2024 von Patienten und Fachkräften für psychische Gesundheit gegen den Staat und die Krankenversicherer wegen „inakzeptabel langer“ Wartelisten für Menschen mit Bedarf an psychiatrischer Versorgung eingereicht wurde [34]. Hier kommen das Expertisecentrum Euthanasie und die KEA-Stiftung ins Spiel. Beide behaupten, sich auf das Wohl der Patienten zu konzentrieren, doch auf ihren institutionellen Websites findet sich kein einziges Wort, keine Empfehlung und kein Hinweis zur Suizidprävention [35,36]. Es gibt auf ihren Websites sogar eine Schaltfläche „Sie suchen Hilfe“, doch statt den Leser an Websites zur Suizidprävention oder zur Unterstützung bei psychischer Gesundheit zu verweisen, informiert sie vielmehr darüber, wie hoffnungslos und unerträglich Leiden sein kann und dass Euthanasie gerechtfertigt sein könnte, und gibt zugleich Ratschläge, wie man sie erhält [37]. Die KEA-Stiftung hat sogar erklärt, ihr Ziel sei es, mehr Euthanasie für psychiatrische Patienten zu ermöglichen und bereitzustellen und außerdem Suizide und Suizidversuche zu verringern, indem Euthanasie leichter verfügbar gemacht wird [36]. Einerseits behaupten diese Ärzte und Einrichtungen, Euthanasie verhindere Suizide, indem sie entschlossenen suizidalen Patienten eine sichere Art zu sterben biete und ihnen sowie ihren Familien die traumatische Erfahrung eines möglicherweise gewaltsamen und unerwarteten Todes erspare. Andererseits bietet Euthanasie, wenn die Patienten zu ängstlich sind, selbst Suizid zu begehen, dieselbe sichere und bequeme Art zu sterben in einer Umgebung, in der keine Angst vor dem Sterben oder vor Schmerzen besteht. Ob suizidale Patienten also den Mut haben, sich selbst zu töten, oder nicht: Die Medizin stellt nun sicher, dass diese Patienten am Ende tot sind.

Überraschenderweise verweisen weder das Expertisecentrum Euthanasie noch die KEA-Stiftung Patienten an Suizidpräventionsdienste; vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Die nationale Organisation für Suizidprävention in den Niederlanden, die Stiftung 113 Zelfmoordpreventie, hat dem Expertisecentrum Euthanasie eine ganze Webseite gewidmet, mit mehreren Themen dazu, etwa was das Expertisecentrum Euthanasie ist, wie es funktioniert und wie lange der Euthanasieprozess dauert [38]. Die Stiftung 113 Zelfmoordpreventie erklärt offen, dass sie Euthanasie oder assistierten Suizid nicht ablehnt, und rät Patienten, an wen sie sich wenden können, um mehr zu erfahren [39]. Diese Stiftung ist auch eine bekannte Unterstützerin der Zero Suicide Initiative, in der sich mehrere Länder zusammengeschlossen haben, um eine bessere Suizidprävention in der psychischen Gesundheitsversorgung bereitzustellen [40,41]. Wenn man berücksichtigt, dass die erklärte Mission der Stiftung „ein Land, in dem niemand einsam und verzweifelt durch Suizid stirbt“ lautet [39], wirft ihre Bereitstellung detaillierter Informationen über Euthanasie und die direkte Verweisung an Euthanasieanbieter [38] die Frage auf, ob ihre Interpretation der Zero Suicide Initiative eine Vision umfassen könnte, in der Suizid nicht verhindert, sondern stattdessen medizinisch ermöglicht wird.

Es gibt auch andere Einrichtungen wie ThaNet [42], dessen Leitbild darin besteht, sicherzustellen, dass „jeder Mensch mit psychischen Beschwerden das Recht auf ein gutes Gespräch über den Tod hat, wenn er dies wünscht, innerhalb der psychischen Gesundheitsversorgung“ [43]. ThaNets Ziel ist jedoch auch, „einen grundlegenden kulturellen Wandel“ zu fördern, bei dem die Mitwirkung am Tod für Menschen mit psychiatrischer Erkrankung und anhaltendem Todeswunsch normaler und zugänglicher wird. Es will auch „praktische und organisatorische Probleme“ lösen, etwa „sich dafür einzusetzen, dass mehr Psychiater Zweitmeinungen im Rahmen eines Euthanasieverfahrens abgeben“, und den Prozess beschleunigen [43]. Der aktuelle Vorsitzende von ThaNet geht so weit, eine ungewöhnliche Form von Hoffnung anzubieten: „Ich biete Hoffnung auf einen ‚guten‘ Sterbeprozess“ [44]. Einige Mitglieder der Leitung von ThaNet appellieren sogar dazu, psychiatrische Behandlungen zu beenden und sich für Euthanasie zu entscheiden: „…nicht weiter drängen und versuchen; keine weiteren Behandlungen mehr vorschlagen…(Euthanasie) ist absolut vorzuziehen“ [18]. Diese Einrichtung ist neben ihrer Partnerschaft mit der Niederländischen Psychiatrievereinigung und der niederländischen GGZ (Niederländische Vereinigung für psychische Gesundheitsversorgung) auch mit dem Expertisecentrum Euthanasie, der KEA-Stiftung und sogar der Stiftung 113 Zelfmoordpreventie verbunden. Neben der Befürwortung der Tötung behandelbarer Patienten und dem Appell an sie, psychiatrische Behandlungen abzubrechen, erhält ThaNet auch finanzielle Unterstützung vom niederländischen Ministerium für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport [43,45].

7. Einsamkeit und sozioökonomische Not bei psychiatrischer Euthanasie

Viele der bisher erwähnten Patienten haben irgendeine Form familiärer Unterstützung oder nahestehende Menschen. Es gibt jedoch eine stille Mehrheit, die unter Einsamkeit leidet und Euthanasie beantragt: 70,1 % aller Antragsteller beim Expertisecentrum Euthanasie waren ledig, und nur 11,4 % waren verheiratet, im Vergleich zu 39 % der niederländischen Bevölkerung [7]. Soziale Daten fehlen in den Studien manchmal, aber mindestens 56 % der aus psychiatrischen Gründen euthanasierten Patienten erwähnten Einsamkeit und soziale Isolation, mit Bemerkungen in ihren Akten wie: „der Patient war ein völlig einsamer Mann, dessen Leben gescheitert war…“ oder „die Patientin gab an, ein Leben ohne Liebe gehabt zu haben und deshalb kein Recht auf Existenz zu haben“ [46]. Diese einsamen Menschen wurden am Ende euthanasiert. Manche sehnen sich verzweifelt nach menschlichem Kontakt und Liebe, wie einer der ausdrücklich beschriebenen Fälle im Bericht des Expertisecentrum Euthanasie deutlich macht: „[Ich möchte] wissen, wie es ist, verliebt zu sein“. Auch er wurde als hoffnungslos leidend angesehen und für psychiatrische Euthanasie zugelassen [7].

Auch wirtschaftliche Gründe und Einkommen haben sich als Grund erwiesen, warum Menschen Euthanasie beantragen. 88 % der Antragsteller auf psychiatrische Euthanasie erhielten in irgendeiner Form Sozialleistungen und hatten kein Einkommen oder Gehalt [7]. Andere niederländische Autoren haben ebenfalls darauf hingewiesen, dass die zusätzliche Last finanzieller und sozioökonomischer Schwierigkeiten und Ungleichheiten den Wunsch der Patienten nach psychiatrischer Euthanasie verstärkt hat [47].

8. Eine Geschlechterdisparität von 18:1 – junge Frauen werden 6-mal häufiger euthanasiert als Männer, begehen aber 3-mal seltener Suizid

Die Suizidrate junger Frauen (20 bis 40 Jahre) in den Niederlanden ist 2,5- bis 3-mal niedriger als die von Männern derselben Altersgruppe [19,25,30]. Dennoch wurden junge Frauen in dieser Gruppe, d. h. Zorayas Gruppe, 5- bis 6-mal häufiger euthanasiert als junge Männer [7]. Daraus ergibt sich eine Geschlechterdisproportion von bis zu 18:1 zwischen jungen Frauen, die aus psychiatrischen Gründen euthanasiert werden, und jungen Männern, die Suizid begehen. Der eklatante Unterschied zwischen psychiatrischer Euthanasie und Suizidraten bei jungen Frauen und Männern weist auf mögliche systemische Probleme und Verzerrungen hin, die dringend Aufmerksamkeit erfordern. Eine stärkere Tendenz von Frauen, häufiger Euthanasie zu beantragen als Männer, ist bereits bekannt; Studien verknüpfen Gesetze zum assistierten Suizid mit einem Anstieg selbstgewählter Todesfälle bei Frauen um 40 % und mit einem unverhältnismäßigen Risiko vorzeitiger Sterblichkeit [22,24]. So schlimm diese Befunde für Frauen auch sein mögen, im Fall der psychiatrischen Euthanasie sind sie noch schlimmer. Zwei Drittel der im Bericht des Expertisecentrum Euthanasie euthanasierten Patienten waren Frauen. Höhere Euthanasieraten bei Frauen könnten die Entmachtung jener widerspiegeln, die anfälliger für sozialen Druck sind, durch Suizid zu sterben – etwa durch das Gefühl, Angehörigen oder der Gesellschaft zur Last zu fallen [21,24]. Und es ist eine Tatsache, dass Frauen in fast allen Altersgruppen überrepräsentiert sind. Abgesehen von der Altersgruppe der 41- bis 50-Jährigen, in der Männer etwas mehr als 20 % häufiger euthanasiert wurden als Frauen, wurden Frauen in allen älteren Altersgruppen über 50 manchmal 2- bis 3-mal häufiger aus psychiatrischen Gründen euthanasiert als Männer. In den jüngeren Altersgruppen ist dieser Unterschied jedoch noch ausgeprägter: 21- bis 40-jährige Frauen werden 5- bis 6-mal häufiger euthanasiert als Männer [7]. Viele dieser jungen Frauen wären heute noch am Leben, wenn es die von bestimmten Ärzten (einschließlich Psychiatern) oder dem Personal des Expertisecentrum Euthanasie oder der KEA-Stiftung bereitgestellten Euthanasiedienste nicht gäbe.

9. Meinungsverschiedenheiten, Unbequemlichkeit und der Eifer, Wartelisten für psychiatrische Euthanasie zu verkürzen, töten noch mehr Patienten

Wenn niederländische Experten über die Entscheidungsfähigkeit von Patienten oder den Nutzen neuer Behandlungen uneinig sind, wird in den meisten Fällen dennoch Euthanasie durchgeführt, sodass die Meinungsverschiedenheiten ungelöst bleiben [46]. Und in den seltenen Fällen, in denen diese niederländischen Experten erkennen, dass eine andere Therapie durchgeführt werden könnte, fahren sie häufig trotzdem mit Euthanasie fort, weil gerade keine Plätze in einer Behandlungseinrichtung frei sind oder, falls ein Platz vorhanden ist, weil sie argumentieren, eine Aufnahme könne den Patienten destabilisieren (sogar bei euthanasierten Minderjährigen), oder weil sie den Patienten für nicht ausreichend therapiemotiviert halten, oder sogar andere Kollegen übergehen, die andere Behandlungen vorschlagen [5,7,48–50].

Es werden Maßnahmen ergriffen, um die Wartezeit zwischen dem formellen Antrag auf Euthanasie und ihrer Durchführung zu verkürzen. Die Experten argumentieren, die lange Wartezeit sei für die Leidenden nicht human und wegen des Suizidrisikos problematisch [18,27,51,52]. Die Daten des Expertisecentrum Euthanasie widersprechen dieser Rechtfertigung jedoch direkt. Von den 1553 Patienten, die sich für psychiatrische Euthanasie registrierten, starben nur 59 während des Wartens durch Suizid, während mehr als 300 später ihre Meinung änderten und sich dafür entschieden, zu leben [7]. Unabhängige Studien bestätigen, dass längere Wartezeiten mit einer erheblichen Zahl von Patienten verbunden sind, die ihren Euthanasieantrag aufgeben [6,53]. Während dieser Zeit erlebten viele eine Verringerung der Suizidabsicht, überdachten den Tod oder begannen eine Behandlung, was zeigt, dass das, was als irreversibles Leiden erklärt wird, oft weder irreversibel noch stabil ist. Im Namen der Suizidprävention und der Linderung von Leiden wird Euthanasie dennoch immer häufiger für Patienten genehmigt, was zu Hunderten zusätzlicher Todesfälle unter jenen führt, die sich möglicherweise für das Leben entschieden hätten, selbst nachdem ihnen nachweislich wirksame Behandlungen verweigert worden waren. Das ist eine mathematische Gewissheit.

10. Fehlende psychiatrische Unterstützung, falsche Annahme der Unbehandelbarkeit und falsche Dichotomie schaffen eine kafkaeske Einrichtung für Kinder

Es gibt eine Stiftung namens „In Liebe loslassen“ (In liefde laten gaan), die Eltern eines Kindes unterstützt, das wegen einer psychischen Erkrankung kurz davor steht, euthanasiert zu werden, oder bereits euthanasiert wurde [54]. Die erklärten Ziele bestehen darin, Eltern durch gegenseitigen Kontakt zu unterstützen, Eltern und Fachkräfte zu informieren und das öffentliche Verständnis für Euthanasie bei psychischer Erkrankung von Kindern zu fördern [55]. Schon die Existenz einer solchen Stiftung verstärkt die falsche Annahme der Unbehandelbarkeit, verstärkt die falsche Dichotomie von entweder endlosem Leiden oder Sterben und verstärkt zu Unrecht die Hoffnungslosigkeit der Eltern. Ihre Aktivitäten führen dazu, dass Eltern ihre Gedanken und letztlich das Leben ihrer Kinder ausschließlich auf den Tod ausrichten; sie lenken sie ab und hindern diese Eltern indirekt daran, ihre verbleibende Energie und ihre Ressourcen darauf zu verwenden, die richtige Hilfe für ihre Kinder zu finden, bessere psychische Gesundheitsversorgung, bessere Suizidprävention und Unterstützung einzufordern und für das Leben ihrer Kinder zu kämpfen. Die auf ihrer Website geteilten Geschichten und Erfahrungen sind herzzerreißend, doch die Titel versuchen, ein Gefühl von Schönheit, Gelassenheit und Frieden zu vermitteln: „Sie kam in Liebe und ging in Liebe“, „Tomas (23) war froh, dass er aufhören konnte“, „Esthers letzter Wunsch“ [56]. Einige ihrer Mitglieder behaupten sogar, Euthanasie könne ein schöner Weg sein [57]. Das Symbol der Einrichtung? Ein Schmetterlingspaar, ein Bild, das in den Berichten vieler euthanasierter junger Patienten und ihrer Familien während ihrer Interviews wiederholt auftaucht [11,13,57–59]. Es gibt sogar Animationen, in denen die Namen euthanasierter Kinder und junger Erwachsener mit Schmetterlingen vor dem Hintergrund von Klaviermusik davonfliegen [60]. Könnte dies ein Zeichen institutioneller Ansteckung sein, die die Wahrnehmung des Todes bei jungen Menschen oder ihren ohnehin verletzlichen Familien prägt? Interessanterweise gelten die einzigen beiden Psychiater im Beirat der Stiftung als die beiden führenden niederländischen Experten für psychiatrische Euthanasie [27,61,62].

11. Die Gehirne von Kindern und jungen Erwachsenen sind noch nicht vollständig entwickelt, werden aber bereits als nicht mehr zu retten verurteilt

Das Gehirn, das Organ, das psychiatrische Erkrankungen beherbergt, entwickelt und reift während der gesamten Adoleszenz und des frühen Erwachsenenalters weiter; die für Entscheidungsfindung, Planung und Impulskontrolle zuständigen Bereiche gehören zu den letzten, die sich verändern und ausreifen, wobei ihre Entwicklung etwa Mitte zwanzig abgeschlossen ist [63]. Persönlichkeitsmerkmale entwickeln sich bis ins junge Erwachsenenalter weiter und stabilisieren sich oft um das 30. Lebensjahr, mit Zunahmen an sozialer Dominanz, Gewissenhaftigkeit und emotionaler Stabilität, insbesondere im jungen Erwachsenenalter (bis zum 40. Lebensjahr). Persönlichkeitsmerkmale neigen dazu, sich mit zunehmendem Alter zu stabilisieren, können sich aber weiterhin als Reaktion auf bedeutende Lebensereignisse oder Bemühungen um Selbstverbesserung verändern [64,65]. Diffusions-MRT-Studien zeigen, dass die Reifung des menschlichen Gehirns, einschließlich der Netzwerke, die Urteilskraft, Impulskontrolle und Emotionsregulation steuern, bis etwa Mitte dreißig andauert, was darauf hinweist, dass die neurobiologische Entwicklung vor diesem Alter nicht abgeschlossen ist [66,67]. Somit sind Gehirnentwicklung und Persönlichkeitsmerkmale nicht einmal bei jungen Erwachsenen abgeschlossen, geschweige denn bei Kindern und Jugendlichen. Die beiden führenden niederländischen Experten für psychiatrische Euthanasie sind beide Kinder- und Jugendpsychiater, und dennoch betrachten sie diese Kinder und jungen Erwachsenen als unbehandelbar und jenseits jeder Hilfe.

12. Befürworter psychiatrischer Euthanasie leiden an einer falschen Dichotomie

Viele dieser Patienten, ihre Familien und die Ärzte, die psychiatrische Euthanasie unterstützen und ermöglichen, folgen einem grundlegenden Denkfehler: der falschen Dichotomie oder dem falschen Dilemma. Eine falsche Dichotomie liegt vor, wenn nur zwei Wahlmöglichkeiten dargestellt werden, obwohl es mehr gibt. Diese Menschen glauben, dass die Patienten entweder ihr ganzes Leben lang unerträglich weiterleiden werden oder sterben müssen (durch Suizid oder Euthanasie), um dies zu vermeiden. „Ich habe keine andere Möglichkeit, als mein Leben zu beenden“, „Sterben ist die Lösung“, „der Gedanke (an Euthanasie) bringt mir Frieden... dass ich nicht mehr leiden muss“ [2,6]. Es gibt jedoch eindeutig eine dritte Option oder sogar mehrere, darunter: erstens die Option krankheitsspezifischer, angepasster, kontrollierter und überwachter evidenzbasierter Behandlungsregime, die diese Patienten, wie umfassend belegt, nicht durchliefen [68,69]; zweitens die Option spontaner Genesung, wie sie zum Beispiel bei langjähriger schwerer Depression ohne krankheitsspezifische Behandlungen beobachtet wird und nachweislich über mehrere Jahre hinweg eintritt, manchmal bei bis zu 50 % der Patienten [70,71]; drittens die Option, nicht mehr sterben zu wollen, wie es bei mehreren Hundert Patienten geschehen ist, die als geeignet betrachtet und für Euthanasie akzeptiert wurden, ihre Anträge auf psychiatrische Euthanasie jedoch nach einer längeren Wartezeit aus eigener Entscheidung zurückzogen [7]. Renommierte Ärzte, die psychiatrische Euthanasie unterstützen, erklärten, „die Chance auf Genesung nach Jahren erfolgloser Behandlung ist bedrückend gering, sodass Patienten entweder unerträglich leiden oder Suizid begehen“, „Euthanasie bei psychischem Leiden ist eine Wahl zwischen zwei Übeln“, „mir war nach nur einem Gespräch klar, dass Michel keine andere Möglichkeit hatte, als sich das Leben zu nehmen (oder unerträglich zu leiden)“, „Eine psychische Erkrankung tötet dich nur durch Suizid, und wenn du das nicht willst, bleibt dir die Euthanasie“, „…jemanden so Jungen zu euthanasieren ist sehr traurig, aber im Vergleich zum Suizid weiß ich, was ich vorziehe. Ich bin erleichtert“, „…es gibt keine bessere Alternative (zur Euthanasie)“, „sie hat überhaupt keine Wahl“, „…wir haben nichts mehr anzubieten außer dem Tod.“ [6,49,62,72,73]. Dies zeigt klar den Dichotomiefehlschluss, der auch diese Fachleute befällt. Wenn psychiatrische Euthanasie jedoch verfügbar ist, fixieren sich Patienten mit Todeswünschen oder mit Behandlungserschöpfung, die zu Todeswünschen führt [6,11], oft auf die Möglichkeit der Euthanasie, wodurch diese falsche Dichotomie weiter verstärkt wird, sodass ihnen der Blick auf alle anderen positiven Möglichkeiten, weiterzuleben, verwehrt bleibt.

13. Psychiatrische Euthanasie wird als normal, schön, glamourös oder sogar als Akt der Liebe dargestellt

Ähnlich wie beim Suizid gibt es Versuche einiger Patienten, Familienmitglieder, Ärzte und sogar Einrichtungen, die Praxis zu beschönigen, die Vorstellung psychiatrischer Euthanasie bei jungen Menschen zu entstigmatisieren, glamourös erscheinen zu lassen oder zu romantisieren, als etwas Normales oder sogar Schönes, als ein besonderes Privileg: „Ich fühle mich geehrt, dass ich gehen darf“, „(Euthanasie) kann ein schöner Weg sein“, „Die Euthanasie war schön“, „Euthanasie ist ein sehr schöner Weg, ein besonderer und intimer Weg“ [11,16,18,36,54,57,74]. Andere sehen sie als etwas Bewundernswertes, sogar Mutiges, verwechseln Verzweiflung mit Autonomie und sagen Dinge wie: „Ich bewundere sehr, wie du das tust. Es ist so unglaublich mutig und stark […] Ich wünsche dir Kraft und Mut“ [59]. Einige Psychiater gehen so weit, die Euthanasie dieser Patienten als tugendhafte Handlung zu betrachten [72,75]. Es gibt beispielsweise eine Dissertation über Euthanasie bei psychiatrischen Patienten mit dem Titel „die Kunst des Loslassens“ [48]. Einer der bekannten Experten behauptet sogar: „Das Wort ‚sterben‘ ist schön“ [76]. Viele Befürworter psychiatrischer Euthanasie betrachten das Töten dieser Patienten als Akt der Liebe. Diese Haltung zeigt sich in mehreren veröffentlichten Zeitschriftenartikeln, in denen Titel und Aussagen wie diese erscheinen: „Sie kam in Liebe und ging in Liebe“, „er muss mich aus Liebe gehen lassen“, „Sie wurde aus Liebe geboren, und wir ließen sie in Liebe gehen“, „Wie unglaublich stark ihre Liebe sein muss, um ihre Tochter loslassen zu können“ [13,58,59,77]. Der Satz „manchmal muss man jemanden loslassen, wenn man ihn liebt“ wird sogar von Patienten fehlgedeutet, die psychiatrische Euthanasie beantragen, wobei das Konzept des Loslassens zu einer Akzeptanz des Todes statt eines weitergeführten Lebens in Trennung wird [1,13].

14. Die Ansteckung durch psychiatrische Euthanasie und ihre Förderung durch Ärzte und Einrichtungen

Ansteckung bei psychischen Erkrankungen bezeichnet das Phänomen, bei dem Symptome oder Verhaltensweisen, die mit einer psychischen Störung verbunden sind, sich von einer Person auf eine andere übertragen, oft durch engen Kontakt oder soziale Interaktionen oder sogar über die Medien. Zorayas beste Freundin beging im Alter von 16 Jahren Suizid, daher gab es diese suizidale Ansteckung [1,9]. Doch es schien auch eine Ansteckung durch psychiatrische Euthanasie zu geben. Zoraya hatte engen Kontakt zu mehreren anderen Menschen, die vor ihr euthanasiert wurden, Menschen, die sie Freunde nannte („Meine Freunde, die mir in der Euthanasie vorausgegangen sind...“) [78]. Einige Forscher sind der Ansicht, dass das Gesetz zur Euthanasie bei psychischen Erkrankungen selbst eine neuartige Form todessuchenden Verhaltens eingeführt hat, die möglicherweise mit dem traditionellen Ansteckungseffekt bei Suizidalität übereinstimmt [33]. Diese Ansteckung wird durch die öffentliche Förderung psychiatrischer Euthanasie durch bestimmte Ärzte und Einrichtungen in den Niederlanden verstärkt. Die Websites des Expertisecentrum Euthanasie oder der KEA-Stiftung sind voller Botschaften, die psychiatrische Euthanasie fördern und als etwas völlig Normales darstellen, indem sie behaupten, sie sei integraler Bestandteil der klinischen Praxis, Euthanasie bedeute kein Scheitern und die heutige Medizin sei noch nicht so weit [35,36]. Sie sind voller Patientengeschichten, insbesondere über junge Patienten, die euthanasiert wurden, Podcasts, Interviews oder sogar wütender Aussagen psychiatrischer Patienten mit anhaltenden Todeswünschen, wenn sie mit Menschen konfrontiert werden, die ihnen vorschlagen, dass sie sich weiteren Behandlungen unterziehen. Der Subtext lautet: Für den Patienten gibt es keine Zukunft, das Leiden ist unerträglich und Euthanasie ist der richtige Weg: „…irgendwann hat man alle vernünftigen Behandlungen, die noch angewandt werden können, bereits gehabt und ist erschöpft. Dass man im Grunde nicht sterben will, der Tod aber der einzige Ausweg aus dem großen Leiden ist“ [79]. Diese Einrichtungen bieten sogar „Buddies“ an, die Aufmerksamkeit und Verständnis geben und sogar anbieten, Familienmitglieder wegen des Todeswunsches des Patienten zu kontaktieren, damit sie verstehen, warum der Patient sterben will. Die Wortwahl dieser „Buddies“ lässt sie wie einen Mentor oder Personal Trainer erscheinen, der seinen „Athleten“ ermutigt, weiterzumachen und Euthanasie anzustreben. Nachrufe wie „Romy (21) wählt Euthanasie: ‚Das Leben ist nicht für mich gemacht.‘ Sie verließ das Leben im Beisein ihrer Familie, Hand in Hand mit ihrer Mutter“ scheinen die Praxis zu beschönigen und Mitgefühl hervorzurufen [12]. Die Website präsentiert Informationen, die die Praxis der psychiatrischen Euthanasie konsequent fördern. Anders als bei der Werbung für andere Dienstleistungen oder Güter, wie eine neue medizinische Behandlung, eine Reise auf die Bahamas oder ein neues Auto, bewerben diese Fachleute und Einrichtungen psychiatrische Euthanasie, ziehen verletzliche, psychisch instabile und leicht beeinflussbare Menschen an, überzeugen sie, ihre Dienste in Anspruch zu nehmen, und töten sie letztlich. Die KEA-Stiftung bringt Patienten sogar mit anderen Patienten in Kontakt, die psychiatrische Euthanasie wünschen, wie es in ihren Zielen heißt: „… um Kontakt zu anderen Betroffenen zu ermöglichen, wird ein Forum eingerichtet, in dem psychiatrische Patienten mit einem Euthanasiewunsch einander finden können … […] Außerdem bietet es Angehörigengruppen die Möglichkeit, ihre Erfahrungen rund um den (bevorstehenden) Tod ihres geliebten Angehörigen auszutauschen“ [20]. Die Ermöglichung des Kontakts zwischen Patienten, die den Wunsch nach psychiatrischer Euthanasie teilen, kann bestehende Todesvorstellungen durch den Einfluss anderer Betroffener verstärken, eine Sorge, die unter Fachleuten der Psychiatrie bereits geäußert wurde [33,71]. In solchen Umgebungen sind ambivalente Patienten, die in Bezug auf Euthanasie unsicher sind, anfälliger für Bestätigungsfehler und soziale Berstärkung, wodurch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sie mit der Euthanasie fortfahren. Was zunächst wie isolierte Symbolik erscheint, taucht bei Patienten, Einrichtungen und öffentlichen Erzählungen rund um psychiatrische Euthanasie immer wieder und mit auffälliger Konsistenz auf. Viele dieser jungen Patienten und Familienmitglieder sprechen zum Beispiel über Schmetterlinge, sagen, sie fühlten sich wie gefangene Schmetterlinge, wollten als Schmetterlinge wiedergeboren werden, wollten Schmetterlinge auf ihren Beerdigungen, ließen sich und Familienmitglieder Schmetterlinge tätowieren und so weiter [11,13,57–59]. Wie wahrscheinlich ist es, dass diese Fälle nicht miteinander zusammenhängen? Das Muster könnte auf eine sich selbst verstärkende Ansteckungsdynamik hindeuten, möglicherweise Ausdruck eines Werther-Effekts, der ähnlich wie bei Suizidclustern zur Häufung psychiatrischer Euthanasiefälle beiträgt.

In scharfem Gegensatz zur Förderung von Euthanasie aus psychischen Gründen ist die Förderung von Suizid in den Niederlanden nach Artikel 294 des niederländischen Strafgesetzbuchs (Wetboek van Strafrecht) strafbar [80]. Dieses Gesetz soll verletzliche Menschen schützen, etwa solche, die an psychischer Erkrankung, emotionaler Not oder suizidalen Gedanken leiden, und verhindern, dass sie sich das Leben nehmen, sowie das Risiko suizidaler Ansteckung oder Nachahmungssuizide verhindern. Die Websites des Expertisecentrum Euthanasie und der KEA-Stiftung sowie viele Experten und Blogs von Ärzten fördern jedoch psychiatrische Euthanasie, indem sie verletzlichen Menschen solche Gedanken einpflanzen oder bereits suizidgefährdete Menschen darin bestärken und die Praxis, diese behandelbaren Patienten zu töten, mit einem positiven Anstrich versehen [10,35,36,54].

15. Wenn Unterstützung versagt: Familien und Partner akzeptieren psychiatrische Euthanasie inmitten von Verzweiflung und Angst vor Suizid

Es ist rätselhaft, wie Partner und Familienmitglieder psychiatrischer Patienten, insbesondere Eltern, Euthanasie für ihre jungen oder erwachsenen Kinder akzeptieren können [11,13]. Manchmal äußerten sie sogar Dankbarkeit für das Verfahren und für die Ärzte, die es durchführten [2,6,72,81,82]. Die Erklärung ist, dass psychische Erkrankung den Patienten betrifft, aber auch eine Atmosphäre schaffen kann, die die Menschen um den Patienten herum belastet und zermürbt: Familie, Partner und sogar behandelnde Ärzte. Aufgrund dieses langwierigen und erschöpfenden Zustands können alle Beteiligten und dem Patienten nahestehenden Personen in das Mikroklima und die Denkweise hineingezogen werden, die durch die Erkrankung entstehen. Alle fühlen sich hilflos und vermissen die richtige Unterstützung sowohl für ihren geliebten Menschen als auch für sich selbst. In Interviews mit diesen Patienten und ihren Eltern werden wiederkehrende institutionelle Hindernisse für eine erfolgreiche Genesung offengelegt. Es gibt jahrelange Wartelisten für die wenigen verfügbaren Behandlungsplätze, die keine wirksamen Behandlungen boten: „Wir stießen ständig auf extrem lange Wartelisten“, „Die Wartelisten für psychiatrische Behandlungen waren so lang“, „Sie wartete 1,5 Jahre auf intensive Traumabehandlung…[Zu diesem Zeitpunkt] brachte die Behandlung nicht das, was sie erhofft hatte“, „Einmal wurde ich in eine geschlossene Jugendhilfeeinrichtung geschickt, einfach weil die Warteliste für die psychiatrische Station, die mich aufnehmen konnte, zu lang war“ [11,13,34,83]. Es gibt auch ein systemisches Versagen verschiedener Einrichtungen, bei Patienten mit komorbiden psychiatrischen Störungen einen integrierten Behandlungsansatz zu verfolgen, bei dem mehrere Erkrankungen gleichzeitig und koordiniert behandelt werden [33]. Häufig warteten diese Patienten und ihre Familien ein Jahr oder länger auf einen Behandlungsplatz für Problem A; als dieser verfügbar wurde, wurde ihnen die Aufnahme wegen eines ungelösten Problems B verweigert; nach mehreren weiteren Monaten des Wartens, als ein Behandlungsplatz für Problem B verfügbar wurde, wurde ihnen erneut wegen des ungelösten Problems A die Aufnahme verweigert; „Ich galt als zu komplex, und keine Behandlungseinrichtung bot eine Lösung an, bei der meine Probleme gleichzeitig behandelt werden konnten“ [13]. Eine weitere häufige Beschwerde ist die Verweigerung der Aufnahme in Behandlungsprogramme wegen des erhöhten Suizidrisikos des Patienten, wodurch ironischerweise gerade jene ausgeschlossen werden, die am dringendsten Versorgung benötigen [11,13].

Das Suizidrisiko selbst erzeugt eine der größten Sorgen der Eltern: die Angst, eines Tages ihr Kind nach einem Suizid tot aufzufinden. Diese quälende Angst vor einem drohenden Suizid hängt wie ein Damoklesschwert über den Eltern und verursacht unerträgliche Angst: „Wir hatten jeden Tag Angst, dass es ihr gelingen würde, sich das Leben zu nehmen“, „Ich (der Vater) hatte jahrelang Angst, dass es passieren würde“, „R. (21 Jahre alt) versucht mehrmals, Suizid zu begehen“, „Wir sind froh, dass M. (17 Jahre alt) durchgehalten hat, bis sie Euthanasie erhalten durfte, und nicht [Suizid] gewählt hat... das wäre für uns zusätzlich traumatisierend gewesen“ [6,11,13,84]. Fügt man dieser anhaltenden emotionalen Belastung die Jahre hinzu, in denen sie den Kampf und das Leiden ihres geliebten Menschen mitansehen mussten, erreichen Familienmitglieder einen Punkt, an dem sie schlicht nicht mehr können: „es ist keine Frage des Nicht-mehr-Wollens, [deinem psychisch kranken Kind zu helfen], sondern des wirklichen Nicht-mehr-Könnens“, „Ich konnte sie nicht länger in dieser Tragödie leben lassen, in der sie sich befand“, „Sie hatte das Gefühl, sie sei zu viel, zu schwierig für uns“ [6,11]. Einige Familienmitglieder bereits euthanasierter psychiatrischer Patienten werden zu so entschiedenen Befürwortern der Euthanasie, dass sie andere Eltern sogar dazu anstiften, keine neuen Behandlungen mehr zu suchen: „…nicht weiter drängen und versuchen; keine weiteren Behandlungen (für dein Kind) mehr vorschlagen“ [18]. Das Fehlen angemessener Unterstützung oder suizidpräventiver Bemühungen führt zu einer allmählichen Erosion von Einsicht und Objektivität bei Familienmitgliedern. Der anhaltende Wunsch des Patienten zu sterben kann diese Dynamik verstärken und Familien dazu bringen, Euthanasie als unvermeidliche oder sogar rationale Option wahrzunehmen. In extremen Zuständen der Verzweiflung und systemischen Vernachlässigung können manche Eltern aktiv Ärzte suchen, die manchmal über Medien identifiziert werden und bereit sind, Euthanasie durchzuführen, was ihnen als eine Form der Entlastung dargestellt wird: „[Euthanasie] wird [mir, dem Partner] Frieden bringen, wenn der Zeitpunkt gekommen ist“, „[Ich werde] erleichtert sein, wenn das Ganze vorbei ist, damit ich [die Tante] trauern kann“, „es geschah dort in M.s (28 Jahre alt) kleinem, schmalem Zimmer…ihre Mutter und ihr Partner und ihre Schwester waren dabei…alle waren sehr froh, dass es endlich geschah“ [2,72]. Einige Familienmitglieder unterstützen trotz innerer Ablehnung der Euthanasie nach außen hin die Entscheidung des Patienten, um weiteres Leid zu vermeiden und den inneren Frieden des Patienten zu bewahren. Andere hoffen weiterhin, dass der Patient im letzten Moment seine Meinung ändert, was unmittelbar vor dem Euthanasieverfahren zu emotional aufgeladenen Situationen führt: „Meine Mutter kann sich ein Leben ohne mich nicht vorstellen und hofft noch immer, dass ich eine andere Entscheidung treffe“, „Er (der Ehemann) hat es schwer mit ihrem bevorstehenden Abschied (von seiner 31-jährigen Frau, die an postpartaler Depression leidet), versteht sie aber.“, „Entgegen meinen Gefühlen sagte ich meiner Tochter, es sei in Ordnung, […] denn wer will seine Tochter verlieren?“ [13,73,85].

16. Der Psychiatrie fehlt das Wissen über die Mechanismen psychischer Erkrankungen

Ärzte, die psychiatrische Euthanasie verteidigen, behaupten, für diese Patienten könne nichts anderes mehr getan werden, doch das gegenwärtige Wissen über die inneren Abläufe des menschlichen Geistes oder seiner Erkrankungen ist minimal. Anders als in anderen Bereichen der Medizin können die derzeit in der Psychiatrie verwendeten symptombasierten Klassifikationssysteme die Illusion erzeugen, psychische Störungen zu verstehen. Über 90 % der Mechanismen, die an der Veränderung der Funktionsweise des Gehirns beteiligt sind, sind jedoch noch unentdeckt [86,87]. Weltweit anerkannte Experten der Psychiatrie erklären unmissverständlich, dass der Psychiatrie ein grundlegendes Verständnis der Ursachen psychischer Erkrankungen fehlt und dass sie weitgehend unwissend bleibt hinsichtlich der zugrunde liegenden biologischen Mechanismen, die psychiatrische Störungen antreiben. Trotz Fortschritten in Neurowissenschaft und Genetik beruht die psychiatrische Diagnose weiterhin ausschließlich und alarmierend auf fehlbaren subjektiven Urteilen, ohne etablierte biologische Marker, bildgebende Signaturen oder genetische Muster, die zuverlässig mit diagnostischen Kategorien übereinstimmen. Diese Forscher, darunter ein Nobelpreisträger der Psychiatrie, kommen zu dem Schluss, dass der größte Teil des Wissens der Psychiatrie über die Entstehung psychischer Erkrankungen unbekannt bleibt, bestenfalls spekulativ [88–94]. Dennoch behaupten die Verteidiger psychiatrischer Euthanasie mit absoluter Gewissheit, dass für diese psychiatrischen Patienten nichts anderes mehr getan werden könne.

17. Es gibt keine objektiv nachweisbaren Belege zur Unterstützung psychiatrischer Euthanasie

Auffällig ist der Mangel an hochwertigen, peer-reviewten klinischen Studien, die psychiatrische Euthanasie spezifisch stützen. Alle bestehenden Studien konzentrieren sich ausschließlich auf ethische, psychologische, prozedurale und rechtliche Aspekte [46,47,95–97]. Es gibt absolut keine klinischen Studien, die objektive Daten oder unwiderlegbare Belege für den Nutzen oder die Vorteile psychiatrischer Euthanasie liefern. Die einzige Studie, die versucht hat, objektive Ergebnisse zur psychiatrischen Euthanasie zu zeigen, betrifft die Trauererfahrungen hinterbliebener Partner nach Suizid im Vergleich zu psychiatrischer Euthanasie [98]: In dieser Studie wurde festgestellt, dass der geplante Tod durch psychiatrische Euthanasie einigen Partnern ermöglichte, sich besser auf den Tod ihres geliebten Menschen vorzubereiten, im Gegensatz zu dessen unerwartetem Tod durch Suizid. Doch viele überlebende Partner psychiatrischer Euthanasiepatienten blieben dennoch mit Zweifeln und Fragen hinsichtlich ihrer selbst und ihrer verstorbenen Partner zurück, warum sie mit psychiatrischer Euthanasie fortfuhren, was auch aus Aussagen außerhalb dieser Studie hervorgeht: „Er (der Ehemann) hat es schwer mit ihrem bevorstehenden Abschied (von seiner 31-jährigen Frau und der Mutter ihres sechsjährigen Kindes)“ [73]. Weder diese Studie noch irgendeine andere liefert objektive Daten, die psychiatrische Euthanasie mit alternativen Ansätzen vergleichen, die die Patienten am Leben halten oder versuchen, ihren Zustand zu verbessern. Es gibt schlicht keine harten Belege. Die Rechtfertigungen für die Durchführung psychiatrischer Euthanasie beruhen ausschließlich auf persönlichen subjektiven Eindrücken, etwa dem Gefühl, Leiden zu lindern, oder dem Gefühl der Erleichterung und Dankbarkeit, das Familienmitglieder zeigen. Die Geschichte bietet zahlreiche Beispiele, in denen ein ähnliches Vertrauen auf subjektive Eindrücke zu schädlichen medizinischen Eingriffen führte, etwa Aderlass, Hysterektomien bei vermeintlicher Hysterie oder Lobotomien bei psychiatrischen Erkrankungen. Doch selbst diese schädlichen Verfahren hatten nie zum Ziel, den Patienten zu töten, was psychiatrische Euthanasie zu etwas Einzigartigem in der Geschichte der Menschheit macht.

18. Es gibt unerträgliches Leiden … und Leiden, das ertragen werden kann

Derzeit gilt für Zwecke psychiatrischer Euthanasie Leiden als „unerträglich“, wenn der Patient sagt, dass es so ist [4,75]. In meiner Laufbahn habe ich viele unheilbar kranke Patienten gesehen, die bitter litten, Schmerzen in einem Ausmaß erlebten, das bis zum Verlust der Kontrolle über Blase oder Darm führte, sich nicht bewegen konnten, ohne vor Schmerz zu weinen, einige überhaupt nicht bewegungsfähig und vollständig von anderen abhängig, aber ohne kognitive Beeinträchtigung, bei Bewusstsein und in der Lage, Entscheidungen zu treffen. Solche Patienten hätten wahrscheinlich von Euthanasie profitiert, wenn ihnen die Wahl gegeben worden wäre. Diese Patienten und ihre Familien suchten meine Hilfe und die meiner Kollegen, um ihre Schmerzen und ihr Leiden zu lindern, manchmal täglich, weil die vorhandene Medikation nicht ausreichte, um die Schmerzen erträglicher zu machen. Ein Vergleich zwischen körperlichem und psychischem Schmerz ist hier nicht beabsichtigt und wäre ohne die einschlägige klinische Expertise auch nicht angemessen. Zorayas Fall, der diese Untersuchung auslöste, betraf jedoch eine junge autonome Frau, die 2020 im Alter von 24 Jahren wegen unerträglichen Leidens Euthanasie beantragte; seit diesem ersten Antrag und während der letzten 4 Jahre bis zu ihrer Euthanasie im Alter von 29 Jahren erhielt sie jedoch keine andere Behandlung, als sich darauf zu konzentrieren, ihre Euthanasie genehmigt zu bekommen [1,2,74]. Warum veranlasste sie das unerträgliche Leiden, das sie empfand, während dieser vollen 4 Jahre nicht dazu, andere Behandlungen zu suchen oder zu versuchen? Anders als viele psychiatrische Patienten, die Euthanasie beantragen, verweigern körperlich kranke Patienten, die unerträglich leiden, keine Art von Behandlung; sie sind verzweifelt, sie greifen nach allem, was sie können, nach jeder Behandlungsoption, die ihnen angeboten wird, nach allem, was verspricht, ihre Schmerzen zu lindern. Manchmal ist das Leiden so intensiv, dass sie alle Ängste überwinden und die Sache selbst in die Hand nehmen, indem sie Suizid begehen [99]. Ungeachtet solcher verzweifelten Handlungen sterben diese unheilbar kranken Patienten ausnahmslos innerhalb kurzer Zeit, was erneut einen scharfen Kontrast zur Mehrheit psychiatrischer Patienten hervorhebt, die ihr Leiden jahrelang ertragen, ohne Suizid zu begehen, und weiterleben [7]. Dies wirft zwei entscheidende Fragen auf: Erstens, warum hat keiner der in den letzten 4 Jahren von Zorayas Leben beteiligten Ärzte das von einer Patientin, die in dieser Zeit keine neuen Behandlungen durchführte oder suchte, geltend gemachte unerträgliche Leiden hinterfragt? Zweitens, wie können wir die Euthanasie eines Patienten mit der Begründung unerträglichen Leidens rechtfertigen, wenn dieser Patient in den 4 Jahren vor der Euthanasie keinerlei Behandlung sucht? Jahrelang vor einer Euthanasie keine psychiatrische Behandlung bereitzustellen, wird von Ärzten, die Euthanasie aus psychiatrischen Gründen ermöglichen, genehmigen oder durchführen, offenbar akzeptiert [27]. Zudem nehmen bei vielen Patienten Krankheitssymptome mit dem Alter ab, und was heute als unerträglich empfunden wird, kann in Zukunft leichter zu ertragen sein. Dies wird durch die höhere Rate an Rücknahmen von Euthanasieanträgen bei Menschen in den Dreißigern und Vierzigern bestätigt, verglichen mit Menschen in den Zwanzigern, die häufiger an ihrer Entscheidung zu sterben festhalten und den Weg bis zum Ende gehen, unabhängig von der psychiatrischen Erkrankung [7]. Bemerkenswert ist, dass viele Patienten in ihren Dreißigern und Vierzigern sowie ihre Psychiater berichten, dass sie, wäre Euthanasie in ihren Zwanzigern für sie verfügbar gewesen, diese wahrscheinlich angestrebt hätten und sich dadurch die Gelegenheit genommen hätten, sich zu erholen und schließlich ein sinnvolles, sogar freudvolles Leben zu führen [71].

19. Behandlungsverweigerung oder die Wahrnehmung der eigenen Unheilbarkeit durch Patienten etikettiert sie ebenfalls als unbehandelbar

Auch hier gilt für Zwecke psychiatrischer Euthanasie, dass eine Behandlungsalternative keine vernünftige Alternative ist, wenn der Patient sie verweigert [4,75]. Die Verweigerung einer wirksamen Behandlung macht eine Krankheit in der realen Welt jedoch nicht unbehandelbar. Wenn ein Patient mit Lebererkrankung im Endstadium auf der Warteliste für eine Lebertransplantation steht, sich aber weigert, mit dem Trinken aufzuhören, wird dieser Patient niemals ausgewählt werden, eine neue Leber zu erhalten, trotz seines dringenden Wunsches danach. Menschliche Lebern sind eine sehr begrenzte Ressource, daher reservieren Ärzte diese Lebern für Patienten, die unseren Empfehlungen folgen und die beste vorhersehbare Langzeitprognose und Lebenserwartung haben. Dennoch sind viele Patienten, die psychiatrische Euthanasie beantragen, nicht therapietreu, verweigern vorgeschlagene Behandlungen, werden leichter als behandlungsresistent und unbehandelbar etikettiert und bekommen trotzdem, was sie wünschen, nämlich Euthanasie. Diese Patienten verpassen erfolgreiche Behandlungsmöglichkeiten nicht nur wegen ihrer Verweigerung, sondern auch aufgrund mangelnden Wissens seitens der behandelnden Ärzte [68] und werden daher fälschlich als unbehandelbar oder behandlungsresistent etikettiert. Eine Übersichtsarbeit über euthanasierte psychiatrische Patienten ergab, dass psychische Erkrankung in mehr als der Hälfte der Fälle eine erhebliche Rolle bei der Behandlungsverweigerung spielte [46]. Einige Ärzte ermöglichen diese Haltung und sehen es sogar als Entwicklung an, die subjektive Wahrnehmung des Patienten, unheilbar zu sein, als medizinische Definition von unbehandelbar zu akzeptieren: „Wenn [die 17-jährige Patientin] erklären kann, warum es nicht mehr möglich [oder heilbar] ist, und sie Eltern hat, die sie in diesem [Todes-]Wunsch unterstützen, wer bin ich dann als Arzt, daran zu zweifeln?“ [11,100]. In einigen Fällen könnte die Verweigerung auch ein Zeichen dafür sein, dass der Wunsch, gesund zu werden, wahrscheinlich nicht im Vordergrund steht oder nicht einmal ihr Ziel ist, wie aus den zahlreichen Interviews und ihren eigenen Aussagen hervorgeht; und dieser Mangel an Motivation wird von Psychiatern erkannt und sogar akzeptiert [48].

20. Die meisten Rechtfertigungen für psychiatrische Euthanasie stammen von Nicht-Klinikern und verwenden pseudowissenschaftliche und pseudorationale Argumente

Die große Mehrheit der Argumente zugunsten psychiatrischer Euthanasie beruht auf subjektiven, nicht greifbaren Kriterien und abstrakten Konzepten wie der eigenen Wahrnehmung von Leiden, Unerträglichkeit, Würde, Diskriminierung und dem Schutz der Selbstbestimmung. Die meisten wissenschaftlichen Artikel, die psychiatrische Euthanasie unterstützen, wurden von nichtmedizinischen Autoren verfasst (75 %) [101], konzentrieren sich auf subjektive Argumente und bedienen sich eines Arguments aus Unwissenheit, z. B.: Sie setzen körperliche und psychische Erkrankung und Leiden gleich und missachten dabei die schlecht verstandene Ätiologie psychischer Erkrankungen [102,103]; sie argumentieren, die Fähigkeit psychiatrischer Patienten, Entscheidungen über ihre eigene Euthanasie zu treffen, solle ebenso einfach und leicht zu beurteilen sein wie ihre Entscheidungsfähigkeit bei jedem anderen medizinischen Eingriff, und die Schwelle zur Beurteilung der Fähigkeit zur Euthanasie solle sogar gesenkt werden, um Selbstbestimmung zu fördern und zu erleichtern [104]; sie behaupten, Urteile über Irremediabilität sollten nicht nur auf statistischen Heilungschancen beruhen, sondern stark vom eigenen Urteil der Person abhängen [105]; sie argumentieren, das Warten auf mögliche neue Behandlungen, etwa Ketamin bei therapieresistenter Depression, das in anderen Ländern erfolgreich eingesetzt wird, rechtfertige es nicht, Euthanasie zu lange hinauszuzögern [106,107]; sie behaupten, die Verweigerung psychiatrischer Euthanasie treibe Patienten zu Suizidversuchen oder zum Suizid [108]; wenn Patienten lebenserhaltende Behandlung ablehnen könnten, sollten sie auch das Recht auf psychiatrische Euthanasie haben, selbst wenn wirksame Behandlungen existieren oder sogar ohne Leiden [109]; weil es kaum empirische Evidenz dafür gebe, dass psychiatrische Euthanasie negative Folgen habe, sei die Ausweitung psychiatrischer Euthanasie auf existenzielles Leiden unvermeidlich, und diese nichtmedizinischen Autoren sagen, das sei an sich nicht notwendigerweise schlecht [110]; sie argumentieren, depressive Menschen könnten so blockiert sein, dass sie den Schritt, sich selbst zu töten, nicht tun könnten, oder sie könnten bei einem Suizidversuch versehentlich andere töten, oder erfolglose Suizidversuche könnten die Arbeitsfähigkeit verringern und zu geringerem Einkommen führen, oder da Behandlung sehr teuer sei, sei die Verweigerung von Euthanasie sogar noch diskriminierender [108]; sie argumentieren außerdem, da medizinische Fehler in der Medizin ohnehin existierten, sei das Risiko falsch positiver Fälle (das Leben von Menschen zu beenden, die die Kriterien für Euthanasie tatsächlich nicht erfüllen) eine völlig akzeptable Konsequenz [111]. Merkwürdigerweise haben in einer Gesellschaft, die derzeit etablierte Autoritäts- und Wissensfiguren zugunsten von Selbstbestimmung und Autonomie ablehnt, 95 % der Antragsteller auf aktive Lebensbeendigung in den Niederlanden nicht den Mut, sich selbst zu töten, und bitten die autoritäre Figur eines Arztes, es für sie zu tun [112]. Verschiedene Ärzte und Psychiater, die eigentlich wissenschaftlich fundiert sein sollten, plappern nun diese pseudowissenschaftlichen und pseudorationalen Argumente nach, um ihre Handlungen des Euthanasierens psychiatrischer Patienten zu stützen, und fügen selbst weitere Argumente aus Unwissenheit hinzu. Sie sagen: „Wir müssen es nicht verstehen“; „Wenn die (minderjährige) Patientin erklärt, warum es nicht mehr möglich ist zu leben, und Eltern hat, die ihren Wunsch unterstützen, wer bin ich dann, daran zu zweifeln?“; „Ich weiß nicht was ich tue in spiritueller Hinsicht … Ich hoffe, ich beende das Leiden von Menschen… Ich kann nur meinem eigenen Gewissen vertrauen“; „man kann nie sicher sein, ob ein Todeswunsch nicht ein Symptom ist“ [6,10,11,113].

21. Ärztlicher Rückzug, Nachgiebigkeit und die Entwertung des Lebens

Psychiatrische Erkrankung schafft eine schwere Atmosphäre um den Patienten herum, die Familien und Gesundheitsfachkräfte betrifft. Selbst die besten Experten der Welt geben zu, dass der Umgang mit diesen Patienten schwierig ist [68,114]. Geeignete Teams von Fachleuten müssen geschult werden, um mit dieser besonderen Patientengruppe umzugehen, denn es fällt manchen Fachkräften leicht, sich hilflos, entsetzt, schuldig, wütend, verraten und Trauer um den Patienten zu empfinden [68]. Dies ist einer der Gründe, warum so viele Ärzte sie aufgeben. Sie sagen einem Patienten, dass für seine oder ihre Erkrankung nichts mehr getan werden könne, wie es so vielen Patienten gesagt wurde [58,74,81], was nicht nur nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft falsch ist [115–118], sondern dem Patienten auch mitteilt, dass die Ärzte aufgegeben haben, wodurch der Patient jede Hoffnung auf Genesung verliert [82]. Einer der führenden niederländischen Experten für psychiatrische Euthanasie sagte: „Das Schlimmste, was ich Ihnen jetzt sagen kann, ist, dass ich einige Möglichkeiten habe, Sie gesund zu machen. Ich habe keine Möglichkeiten“ [58]. Dies verstärkt und ermutigt den Todeswunsch, den viele dieser Menschen bereits haben. Wenn ihnen Euthanasie dann zur Verfügung gestellt wird, werden sie sie als Weg nutzen, ihr empfundenes Leiden zu beenden, wie der jährliche Anstieg der Euthanasiefälle bei psychiatrischer Erkrankung in den Niederlanden zeigt, bei dem Ärzte den suizidalen Wünschen psychiatrischer Patienten nachgeben [75].

Trotz technologischer Fortschritte und erfolgreicher Behandlungsmöglichkeiten scheinen die ethischen Standards für das Leben rückläufig zu sein. Im Vergleich zu Psychiatern waren niederländische Hausärzte fast dreimal so häufig bereit, Euthanasie bei psychiatrischer Erkrankung zu befürworten, sogar in Fällen, in denen der Patient ohne schwere Erkrankung lediglich lebensmüde ist [68,119]. Dies ist ein klarer Fall des Dunning-Kruger-Effekts, bei dem Personen wie Hausärzte mit wenig Fähigkeit, Wissen oder Erfahrung in einem bestimmten Bereich ihre eigene Kompetenz oder ihr Verständnis überschätzen und daher oft fälschlich mehr Vertrauen in ihre Meinungen haben und eher Praktiken unterstützen oder gutheißen, über die sie wenig wissen, wie etwa psychiatrische Euthanasie [50,120]. Unabhängig von ihrer Ehrlichkeit oder ihren guten Absichten: Wie sind wissenschaftliche Überzeugung und evidenzbasierte Medizin damit vereinbar, einem Arzt hinsichtlich des Nutzens eines lebensbeendenden Verfahrens zu vertrauen, der sagt: „wenn der Patient und die Familie es wollen, wer bin ich, daran zu zweifeln…ich weiß nicht, was ich tue...ich hoffe, ich beende Leiden...ich kann nur meinem eigenen Gewissen vertrauen…ich kann nie sicher sein“?

Die scheinbare Leichtigkeit, mit der manche Patienten als unbehandelbar eingestuft und für Euthanasie zugelassen werden, wirft ernste Fragen zum klinischen Urteil und zu Behandlungsstandards auf. Einer der im Bericht des Expertisecentrum Euthanasie [7] erwähnten Fälle betrifft einen einsamen Mann in seinen Fünfzigern: In seinem Erwachsenenleben wurde er oft gemobbt, hatte nie eine intime Beziehung oder auch nur Sex, und sehnte sich danach, wenigstens einmal in seinem Leben zu erfahren, wie es ist, verliebt zu sein; er wurde von mehreren Spezialisten, darunter auch jenen des Expertisecentrum, bei verschiedenen Gelegenheiten über einen Zeitraum von 16 Monaten hinweg als jemand betrachtet, der alle Kriterien der Unheilbarkeit und des unerträglichen Leidens erfüllte und daher für Euthanasie infrage kam. Diese Patienten brauchen verzweifelt Freundschaft, menschlichen Kontakt; sie brauchen Ärzte, die zuhören, wirklich zuhören, selbst wenn es nur darum geht, ihrem Wunsch zu sterben zuzuhören. Zuhören bedeutet nicht, Euthanasie zu ermöglichen; es bedeutet Verstehen, das Verstehen ihrer Ängste und Sorgen. Sie brauchen Ärzte, die sie unterstützen, die ihnen Hoffnung geben, nicht Ärzte, die ihnen alles nehmen, indem sie ihre Hoffnungslosigkeit betonen und ihren Todeswunsch unterstützen [82]. Prof. Lars Mehlum, einer der führenden psychiatrischen Experten auf diesem Gebiet, sagte mir persönlich, dass viele Experten die tiefgreifenden interpersonellen und psychologischen Aspekte des Todeswunsches von Menschen angesichts von Leiden ernsthaft vernachlässigen; dass wir soziale Wesen sind und dass unsere psychische Existenz stark von anderen abhängt, von ihrer Unterstützung, ihrer Akzeptanz und ihrer Liebe. Es ist daher zutiefst beunruhigend, dass Psychiater davor die Augen verschließen können, doch offenbar ist das Bestehen der Facharztprüfung (in Psychiatrie) keine Garantie dafür, dass ein Arzt wirklich mitfühlend ist und Edward Trudeaus Maxime folgt, wonach ein Arzt vielleicht „manchmal heilen, oft lindern, aber immer trösten“ vermag. Diese Patienten erhalten nicht die richtigen Behandlungen und haben die Hoffnung verloren [68,69]; sie haben Ärzte, die sie ausdrücklich aufgeben, wodurch die Vorstellung der Unbehandelbarkeit verstärkt wird, künftige Genesungsbemühungen aktiv untergraben werden und kompetentere Fachleute daran gehindert werden, diesen Patienten zu helfen, indem man sie zuvor vorsätzlich tötet.

22. Veraltetes Wissen, unzureichende Verfahren und keine evidenzbasierte Behandlung für die Mehrheit der euthanasierten Patienten

Das lang anhaltende Leiden von Patienten nach Jahren unzureichender Behandlungen, das zu Behandlungsmüdigkeit und Verzweiflung führte, wird deutlich illustriert: „Sie konnte ihr Leben nicht mehr leben. So sehr sie es wollte, es war nicht mehr möglich. Sie war erschöpft, behandlungsmüde, therapieresistent“; „Es ist nicht so, dass ich sterben will, sondern dass ich dieses Leben nicht mehr leben will […] Ich habe alles versucht, was es gibt“ [6,11]. Es ist Aufgabe der Regionalen Euthanasieprüfungskommissionen, nach einem Euthanasieverfahren zu prüfen, ob die Sorgfaltskriterien erfüllt wurden [121]. Eine neuere wissenschaftliche Übersichtsarbeit von Prof. Lars Mehlum, ehemaliger Präsident der European Society for the Study of Personality Disorders, kam jedoch zu dem Schluss, dass die meisten euthanasierten psychiatrischen Patienten in den Niederlanden weit davon entfernt waren, alle therapeutischen Optionen ausgeschöpft zu haben: Diese Patienten wurden auf der Grundlage veralteten Wissens und Unwissenheit über den Stand der Wissenschaft in der Behandlung psychiatrischer Erkrankungen als unbehandelbar und ohne Aussicht auf Besserung etikettiert [68]. Tatsächlich kam eine größere niederländische Studie mit 74 euthanasierten psychiatrischen Patienten, basierend auf Daten der Regionalen Euthanasieprüfungskommissionen, zu dem Schluss, dass nur ein Patient mit Persönlichkeitsstörung eine teilweise wissenschaftlich fundierte, spezifisch auf Persönlichkeitsstörungen bezogene Behandlung erhielt; 99 % der euthanasierten psychiatrischen Patienten erhielten vor der Euthanasie keine evidenzbasierte Behandlung [69]. Dennoch wurden sie von den niederländischen Experten als unbehandelbar betrachtet, und die Regionalen Euthanasieprüfungskommissionen bestätigten, dass die entsprechenden Sorgfaltskriterien erfüllt waren.

23. Klinische, wissenschaftliche und akademische Grenzen der Experten für psychiatrische Euthanasie

Die beiden führenden Experten für psychiatrische Euthanasie in den Niederlanden sind beide Kinder- und Jugendpsychiater [27,62]. Dennoch betrifft die Mehrheit der Euthanasiefälle, mit denen sie zu tun haben, Erwachsene. Sie beurteilen die Unbehandelbarkeit von Erwachsenen und ermöglichen und führen manchmal selbst psychiatrische Euthanasie an Erwachsenen durch. Könnte dies ein weiteres Beispiel des Dunning-Kruger-Effekts sein, da ihr Fachgebiet nicht die Erwachsenenpsychiatrie ist? Trotz dieser Zweifel muss man angesichts ihrer Bereitschaft, bestimmte psychiatrische Patienten zu begutachten, Zweitmeinungen über ihre Unbehandelbarkeit abzugeben und so viele von ihnen zu euthanasieren, annehmen, dass ihre fachliche Kompetenz und ihr Wissen über affektive Störungen, Depression und andere psychiatrische Erkrankungen beträchtlich sein müssten. Als Arzt und Wissenschaftler suchte ich in mehreren Datenbanken nach veröffentlichten peer-reviewten Artikeln dieser führenden Experten zu diesen Themen, einschließlich Euthanasie. Es gibt jedoch keine. Abgesehen von einigen Blogbeiträgen und einem Meinungsartikel [10,49] hat keiner von ihnen peer-reviewte Artikel über diese Themen veröffentlicht [122]. Das bedeutet, dass diese führenden Experten keinen wissenschaftlichen Hintergrund haben und auch keine Feldarbeit veröffentlicht haben, um ihre Handlungen zu validieren. Diese und andere Experten stützen sich ausschließlich auf ihre Überzeugungen, ihre subjektiven Wahrnehmungen und ihr persönliches Gefühl der Zufriedenheit, um psychiatrische Euthanasie zu rechtfertigen: „…(Dr. O.) fand es so heftig, wie lange ich schon litt, dass er mir helfen wollte, mich von diesem Schmerz zu erlösen.“, „er beschrieb ihr Leiden als unlebbar“, „Ich hörte von Dr. V., dass sie der Mutter eines sechsjährigen Jungen Euthanasie leisten würde…ich sprach auch mit ihr…das überzeugte mich sofort…diese Frau litt so schrecklich“, „Seine Geschichte war so überzeugend, dass alle meine theoretischen Einwände verschwanden“, „Ich habe schlaflose Nächte,… aber was mir hilft, ist die Dankbarkeit der Menschen, ihrer Eltern, Familien und Partner.“, „(Wenn man diese Patienten nicht euthanasiert) lässt man sie im Stich“, „Ich habe einen letzten Wunsch erfüllt. Wie wunderbar ist es also, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht...“, „Ich bin erleichtert (über die Euthanasie), ich weiß, was ich vorziehe“, „Euthanasie als letztes Mittel bei psychischen Erkrankungen in Betracht zu ziehen, erscheint mir sehr gesund“ [6,11,13,49,51,62,72]. Solche professionellen Haltungen könnten erklären, warum die Niederlande eine der höchsten Raten psychischer Erkrankungen und Suizidraten in der Europäischen Union aufweisen [15,25,26].

24. In anderen EU-Ländern überleben vergleichbare Patienten und können wieder ein gutes Leben führen

In den Niederlanden hat das psychiatrische Euthanasie-Establishment allein in den letzten 5 Jahren über 600 behandelbaren Patienten den Tod gebracht. Vergleichbare Patienten in anderen EU-Ländern können jedoch überleben und gut leben, ohne sich selbst zu töten; ihre Familien erhalten die Unterstützung, die sie brauchen, um die schwierigeren Phasen der Erkrankung zu überstehen; sie haben deutlich niedrigere Suizidraten als die Niederlande (2- bis 4-mal niedrigere weibliche Suizidraten in Italien, Spanien oder Griechenland) [25], und psychiatrische Euthanasie steht ihnen nicht zur Verfügung. Andere europäische Experten haben wiederholt die Heilbarkeit psychiatrischer Störungen durch erfolgreiche Behandlungsregime nachgewiesen, die von geschulten Teams aus Fachleuten und Expertentherapeuten durchgeführt werden. Experten wie Prof. Lars Mehlum verfügen über Hunderte peer-reviewte Veröffentlichungen, Studien und klinische Real-World-Daten, um ihren Erfolg in demselben Bereich zu belegen, zu erklären und fachlich zu untermauern [123].

25. Sobald Euthanasie genehmigt ist, verschwinden die konstanten, unbehandelbaren, jahrelangen Krankheitssymptome

Merkwürdigerweise erlebt die Mehrheit der Patienten, die sterben wollen und psychiatrische Euthanasie beantragen, eine erstaunliche Besserung und manchmal sogar eine vollständige Remission ihrer Symptome, nachdem sie die Erlaubnis erhalten haben, euthanasiert zu werden. Aus Interviews mit Familienmitgliedern nach der Euthanasie oder aus Interviews mit Patienten kurz vor der Euthanasie berichten sie, dass die psychische Last, die sie jahrelang empfunden hatten, die Angst und Qual, die Gefühle von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, die suizidalen Gedanken, nahezu jeder negative Aspekt ihrer Erkrankung plötzlich verschwanden. Selbst schwer an Anorexie leidende Patienten beginnen besser zu essen. Sie fangen an, das Leben zu schätzen; einige beginnen wieder mit ihren Familien ohne die wiederkehrenden Konflikte zu leben, tun Dinge mit ihren Familien und Partnern, die sie während der Jahre ihrer Erkrankung selten taten, nehmen Aktivitäten auf, die ihnen Freude machen oder die sie aufgeschoben hatten, reisen und scheinen das Leben im Allgemeinen zu genießen, wobei sie die Wochen vor der Euthanasie als die glücklichsten Tage ihres Lebens bezeichnen: „Wir hatten eine wunderbare letzte Zeit […] Alles stimmte in den Wochen vor der Euthanasie und am Tag des Abschieds“; „wir hatten einige sehr schöne, lustige Momente“, „die letzten Wochen waren ihre glücklichsten Wochen seit Jahren!“; „Diese letzten sechs Wochen waren glückliche Wochen; die Familie machte Spaziergänge, trank Tassen Kaffee und schaute abends Wohlfühlfilme, die Wut und Feindseligkeit, die die Familie gespalten hatten, verflüchtigten sich“; „(Nach der Genehmigung) waren die Wochen, bevor E. starb, die glücklichsten ihres Erwachsenenlebens“; „Zum ersten Mal seit langer Zeit lebten wir wieder als Familie zusammen und hatten die Möglichkeit, schöne Erinnerungen zu schaffen.“, „Ich fuhr mit einer Freundin nach Disneyland, damit ich Stitch noch einmal umarmen konnte“, „Sobald das Datum feststand, hatten wir eine so großartige Woche, sogar mit Ausflügen in den Zoo“ [11,13,57,58,77,78,85,124]. Die Beschreibungen in diesen Interviews zeigen Menschen, die das Leben mit beiden Händen ergreifen, friedlich und glücklich leben und den Alltag genießen, ohne Stress oder erhebliche Belastung durch die Erkrankung. Es gibt einige wissenschaftliche Artikel und sogar eine Dissertation, die dieses Phänomen dokumentieren: Sobald diese Patienten wissen, dass ihre Euthanasie genehmigt ist, erleben sie einen sofortigen Zustand intensiven Glücks, Euphorie, ein Gefühl des Gesegnetseins und anhaltender intensiver Erleichterung; sie fühlen sich auch weniger durch selbstdestruktive Vorstellungen und Verhaltensweisen belastet und unterdrücken suizidale Gedanken [47,95,125]. Einige Patienten fanden, nachdem sie wussten, dass sie die Möglichkeit hatten, mit der Euthanasie fortzufahren, allein dadurch genug inneren Frieden, um mit ihrem Leben weiterzumachen oder sogar weitere Behandlungen in Betracht zu ziehen: „Als ich schließlich die Erlaubnis zu sterben bekam, war das eine enorme Erleichterung…seitdem erlebe ich bessere Momente, und jetzt zweifle ich auch…wir besprechen andere verfügbare Möglichkeiten“ [47,95].

Diese Genesungen geschahen nicht aufgrund von Medikamenten, körperlichen Eingriffen am Körper des Patienten, Veränderungen ihrer Lebensumgebung, der Menschen um sie herum oder Verschiebungen in ihrem sozialen Kontext. Sie traten ausschließlich nach einem administrativen Ereignis ein, nämlich der Mitteilung, dass sie endlich für Euthanasie zugelassen waren und in etwa den nächsten 4 bis 6 Wochen euthanasiert werden würden. Es wurden keine neuen Behandlungen eingeführt, nichts an der Biologie des Patienten verändert, und doch verursachte ein einfacher äußerer Auslöser, etwa eine Benachrichtigung, diese anhaltende Besserung bis zur Euthanasie des Patienten. Dies wirft erneut kritische klinische Fragen auf: Was ist aus dem täglichen und kontinuierlichen unerträglichen Leiden geworden? Was ist aus der unveränderlichen Euthanasieprämisse und dem Kriterium „ohne Aussicht auf Besserung“ geworden [4]? Dieses Muster unterscheidet sich auffällig von dem anderer körperlich terminal kranker Patienten, die Euthanasie wünschen und die trotz ähnlicher Mitteilungen weiter ohne Besserung leiden und bis zum Tod Schmerzen angeben. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass psychiatrische Patienten vor der Genehmigung ihre Symptome simulierten oder erfanden. Wahrscheinlich erlebten sie echte Not, Hoffnungslosigkeit und Leiden. Wenn jedoch eine bloße administrative Mitteilung, ein Brief oder ein Telefonanruf eine so tiefgreifende, beispiellose, über Wochen anhaltende Besserung und positive Wirkung auf diese Patienten und ihre Familien auslösen kann, wird der Anspruch der Unbehandelbarkeit klinisch fragwürdig. Welche medizinische Grundlage bleibt für die Behauptung, dass der Zustand wirklich irreversibel, unerträglich und therapeutisch nicht mehr erreichbar sei? Es gibt auch mehrere Fälle von Patienten, die, nachdem sie jahrelang auf der Warteliste für psychiatrische Euthanasie gestanden und schließlich die Genehmigung erhalten hatten, sich plötzlich nur einen Monat vor ihrem geplanten Tod verliebten. Bemerkenswerterweise verschwinden alle Symptome wie durch Zauberhand, und sie verzichten sowohl auf Euthanasie als auch auf ihren lang gehegten Wunsch zu sterben [71,126].

26. Fehlende Kultur des Hinterfragens, diagnostische Fehler und psychiatrische Straflosigkeit

Menschen sollten andere und sich selbst immer fragen, was sie tun und warum sie es tun, insbesondere wenn es um Entscheidungen über Leben und Tod geht. Die Bedeutung dieses Hinterfragens wird dadurch verstärkt, dass Fehldiagnosen in der Psychiatrie nicht zufällig, sondern systemisch sind. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Fehldiagnosen alle großen psychiatrischen Bereiche durchziehen. Fehldiagnoseraten erreichen alarmierende Werte von über 60 % bei schwerer Depression, über 90 % bei bipolarer Störung oder über 80-90 % bei Angststörungen [127]. Manche Patienten konsultierten im Durchschnitt 4 verschiedene Ärzte, bevor sie die richtige Diagnose erhielten, und über ein Drittel wartete 10 Jahre, bevor eine zutreffende Diagnose gestellt wurde [128]. Wenn Patienten autistische Züge aufweisen und Frauen sind, verdreifacht sich die Wahrscheinlichkeit von Fehldiagnosen im Vergleich zu Männern [129]. Selbst in spezialisierten psychiatrischen Einrichtungen und akademischen Zentren mit stationären Patienten erreicht die Fehldiagnoserate bei schweren psychiatrischen Störungen Werte von bis zu 40 % [130,131]. Es genügt zu sagen, dass 6 % der im Bericht des Expertisecentrum Euthanasie euthanasierten psychiatrischen Patienten tatsächlich überhaupt keine spezifische psychiatrische Diagnose hatten; sie war schlicht unbekannt [7]. Es gibt tatsächlich berichtete Fälle von Fehldiagnosen bei Patienten, die psychiatrische Euthanasie beantragten, oder sogar von Genesung in letzter Minute vor der Euthanasie nach 10 Jahren falscher Diagnose mit vollständiger Remission der Erkrankung [48,132]. Und doch gab es mehrere Fälle, in denen psychiatrische Patienten, nachdem sie Ärzte, Angehörige und Prüfungskommissionen jahrelang fest davon überzeugt hatten, dass Euthanasie ihr einziger Ausweg sei, ihre Entscheidung im allerletzten Moment rückgängig machten, in einigen Fällen, als die Nadel bereits näherkam [133,134]. Wenn solche tiefgreifenden Kehrtwendungen am Punkt ohne Wiederkehr nach Jahren unerschütterlicher Überzeugung geschehen können, wie können wir dann annehmen, dass andere ihre Meinung später nicht geändert hätten, wenn ihnen nur mehr Zeit gegeben worden wäre? Solche Rücknahmen in letzter Minute stellen die Zuverlässigkeit psychiatrischer Bewertungen, die psychisches Leiden als irreparabel und den Tod als einzige Option einstufen, grundsätzlich infrage. Die Euthanasie des Patienten ist jedoch die perfekte Weise, medizinische Fehler selbst zu verschleiern, weil niemand je beweisen können wird, dass die Diagnose falsch oder die Krankheit behandelbar war, da der einzige Beweis oder Zeuge, d. h. der Patient, tot ist. Neben der Tatsache, dass die Psychiatrie das Fachgebiet mit der höchsten Fehldiagnoserate in der Medizin und folglich mit höheren Fehler- und Unsicherheitswahrscheinlichkeiten ist, ist sie also auch das einzige Fachgebiet, das auf Grundlage dieser Unsicherheiten die endgültigste, ultimative und irreversibelste Handlung der gesamten Medizin vorschlägt und durchführt, nämlich das vorsätzliche Töten körperlich gesunder Patienten. Trotz all dieser Versäumnisse weist die Psychiatrie die niedrigste Rate an Haftungsklagen wegen Behandlungsfehlern aller medizinischen Fachgebiete auf [135,136].

27. Euthanasie ist das neue Heilmittel gegen psychische Erkrankung

Vor 30 Jahren sagte Professor Herbert Hendin, dass die Normalisierung von Suizid als medizinische Option den Grundstein für eine Gesellschaft legt, die Euthanasie zu einem „Heilmittel“ für suizidale Depression macht [137]. Heute geschieht psychiatrische Euthanasie so häufig, dass sogar Fachleute innerhalb des Euthanasie-Establishments, etwa Prof. Theo Boer, der 10 Jahre lang Mitglied der Regionalen Euthanasieprüfungskommissionen in den Niederlanden war, sahen, wie der Tod durch Euthanasie als letztes Mittel zum Tod durch Euthanasie als Standardoption für psychiatrische Fälle wurde. Einige dieser Fachleute, darunter Prof. Boer, waren von der Praxis so angewidert, dass sie von ihren Positionen zurücktraten [1,17,74,138]. Zahlen zeigen, dass Euthanasie zur Standardversorgung bei psychiatrischer Erkrankung wird: 2023 wurden 138 Patienten aufgrund psychischer Störungen euthanasiert; 2024 war diese Zahl auf 219 gestiegen, ein Anstieg von 59 % in nur einem Jahr; während die Euthanasie wegen unerträglichen Leidens bei Krebspatienten in den Niederlanden in den letzten 10 Jahren um 37,5 % zugenommen hat, ist die Euthanasie aus psychiatrischen Gründen im selben Zeitraum um 421 % gestiegen, mit 219 getöteten Menschen im Jahr 2024 [5,139,140]. Diese Zahlen umfassen keine älteren oder dementen Patienten, sondern nur Menschen mit rein psychiatrischen Erkrankungen, deren Mehrheit in anderen Ländern am Leben wäre und angemessen und erfolgreich behandelt würde. Das Euthanasieverfahren bei psychiatrischer Erkrankung wird als Behandlung mit einem Auswahlprozess und scheinbaren medizinischen Kriterien gefördert und dargestellt, die dann die Entscheidung rechtfertigen und stützen, den psychiatrischen Patienten zu euthanasieren [4,7]. Da einige Ärzte zu öffentlichen Befürwortern psychiatrischer Euthanasie geworden sind und dafür bekannt sind, Euthanasiegenehmigungen zu erleichtern, sehen verzweifelte Menschen sie im Fernsehen und kommen zu ihnen, um eine Zweitmeinung zu erbitten [6]. Es sollte keine Einseitigkeit und keine Tendenz in Richtung psychiatrischer Euthanasie geben, doch die von den direkten institutionellen Ermöglichern gelieferten Fakten und Daten sagen etwas anderes: 2024 verzeichnete die höchste Zahl psychiatrischer Euthanasietodesfälle aller Zeiten [5,140]. Euthanasie ist jedoch keine Behandlung, sondern ein endgültiger Akt, der jede Möglichkeit der Genesung oder künftigen Behandlung psychiatrischer Patienten beseitigt.

28. Der Dammbruch der Euthanasie

Es gab viele Warnungen von Ärzten, dass die Zulassung von Euthanasie bei psychiatrischer Erkrankung zu einem Dammbruch werden könnte. Ist das Töten behandelbarer Patienten, von denen einige nicht einmal unerträglich leiden, die sterben wollen oder deren Familienangehörige entsetzt davor sind, dass sie Suizid begehen könnten, kein Zeichen dieses Dammbruchs? Die Fälle einsamer Menschen, die sich nie verliebten oder Sex hatten, der Mutter zweier Kinder, die ihr Leben nicht erträgt, der 35-jährigen Hockey-Weltmeisterin, die den Tod ihrer Mutter nicht überwinden konnte, des 23-jährigen belgischen Mädchens, das den Terroranschlag, dessen Zeugin sie war, nicht überwinden konnte, oder der 34-jährigen Frau, die wenige Monate nach der Trennung von ihrem Freund euthanasiert wurde, sind perfekte Beispiele [6,7,46,141–144]. Wird Euthanasie zur neuen Art, mit Frustration und Unzufriedenheit über das Leben, mit dem Verlust eines Arbeitsplatzes, mit Trauer oder romantischen Enttäuschungen umzugehen [142]? Wenn unerträgliches Leiden allein zu einem ausreichenden Grund für Euthanasie wird, könnten finanzieller Ruin, Inhaftierung oder andere irreversible Lebensumstände ebenfalls als „unheilbar“ dargestellt werden, wodurch Euthanasie zu einem Mittel wird, Widrigkeiten, Verantwortung oder sozialen Folgen zu entkommen.

29. Euthanasie bietet keine zweite Chance

Es gibt ein breites Spektrum wissenschaftlich nachgewiesener erfolgreicher Behandlungen für alle genannten Fälle oder für jeden anderen psychiatrischen Patienten, mit dem Potenzial, ihnen zu helfen, indem das Leben erträglicher und lebenswert gemacht wird. Leider haben in den Niederlanden viele Patienten aus dem einen oder anderen Grund keinen Zugang dazu und führen ein elendes Leben, begehen Suizid oder werden euthanasiert. Unabhängig von Euthanasie läuft der Tod dem körperlich terminal kranken Patienten immer entgegen, und Behandlungsmöglichkeiten erlauben nur sehr wenige zweite Chancen im Leben. Doch so war es bei Zoraya oder irgendeinem der anderen Fälle nicht. Wären sie heute ohne Euthanasie noch am Leben? Viele ganz sicher, weil sie Angst hatten und nicht den Willen oder den Mut hatten, es selbst zu tun und sich das Leben zu nehmen, sodass sie darauf angewiesen waren, dass andere es für sie tun und die bittere Pille versüßen. Würden all diese Befunde sie dazu bewegen, ihre Entscheidung für die Euthanasie zu überdenken? Wir werden es nie wissen, denn Euthanasie bietet keine zweite Chance. Tote Patienten können ihre Meinung nicht ändern.

30. Schlussfolgerungen und Nachwort

Pseudowissenschaftliche und pseudorationale Argumente, Hegemonie der Irrationalität zur Erfüllung von Patientenwünschen, veraltetes Wissen über die Behandlung psychiatrischer Störungen, Unwissenheit über personalisierte erfolgreiche Behandlungsregime, fehlende wissenschaftliche Belege, fehlender wissenschaftlicher Hintergrund oder fehlendes akademisches Wissen der führenden Experten auf diesem Gebiet oder der wichtigsten Akteure zur Stützung ihrer Handlungen, überempathische voreingenommene Ärzte, die psychiatrische Euthanasie befürworten und durchführen, jahrelange Wartelisten für ineffiziente Behandlungseinrichtungen, Vorenthalten evidenzbasierter Behandlungen, fälschlich als unbehandelbar etikettierte Patienten, verlassene Patienten, erschöpfte und zermürbte Partner und Eltern, ignorierte Familien, die den Suizid ihrer Angehörigen fürchten, Familien, die wegen fehlender wirksamer psychiatrischer Hilfe dazu gedrängt werden, psychiatrische Euthanasie zu unterstützen, fehlende praktische Suizidprävention für Patienten und keine Unterstützung für ihre Familien, eine der höchsten Suizidraten Europas, unerträgliches Leiden bei Patienten, die es schaffen, jahrelang ohne jegliche Behandlung zu überleben, von denen über 96 % keinen Suizid begehen, eine 18:1-Geschlechterdisproportion von Euthanasie gegenüber Suizid, die junge Frauen tötet, garantierte Euthanasie für suizidale Patienten oder solche, die einen Suizidversuch unternehmen, Euthanasie als Standardoption bei Depression, strafbare Förderung des Suizids gegenüber institutioneller Förderung psychiatrischer Euthanasie, institutionelle Ermutigung von Ansteckung und psychiatrischen Euthanasieclustern, Ärzte, die Stiftungen gründen, um das Töten zu beschleunigen, unerträgliche und unbehandelbare Krankheitssymptome, die plötzlich verschwinden, Rücknahmen in letzter Sekunde, die Jahre vorheriger psychiatrischer Schlussfolgerungen diskreditieren, beschleunigtes Töten Hunderter spontan genesender Patienten, kafkaeske Einrichtungen, die indirekt die Euthanasie behandelbarer Kinder befürworten, Töten behandelbarer Patienten, die in anderen Ländern überleben und gut leben würden. Die Liste geht weiter.

Wie kann ein großes Land wie die Niederlande dieses Ausmaß und diese Anhäufung von Fehlern, Fahrlässigkeit und Inkompetenz unter Mitwirkung politischer Verantwortlicher erklären? In Europa sind viele Gesundheitsminister schon wegen eines Bruchteils dieser Katastrophe gestürzt. Dem beispiellosen Rekord von 219 Fällen psychiatrischer Euthanasie im Jahr 2024 folgten 174 Fälle im Jahr 2025, die zweithöchste jemals verzeichnete Jahreszahl [145]. Ein einzelner Rückgang von einem außergewöhnlichen Spitzenwert kann weder eine nachhaltige Verbesserung belegen noch eine bedeutsame Veränderung der zugrunde liegenden Euthanasiepraxis oder der systemischen Bedingungen nachweisen; er steht weiterhin für 174 medizinisch herbeigeführte Todesfälle aus rein psychiatrischen Gründen in einem Jahr. Angesichts der deutlich niedrigeren Suizidraten und des Fehlens psychiatrischer Euthanasie in vielen EU-Ländern haben vergleichbare Patienten andere Ergebnisse erlebt: Sie wurden behandelt oder vielleicht sogar geheilt, genossen das Leben und trugen zum Leben der Menschen um sie herum bei. Obwohl formal Schutzvorkehrungen bestehen, zeigt die Befundlage unmissverständlich, dass das System der psychiatrischen Euthanasie mit alarmierender Inkonsistenz, mangelhafter Einhaltung klinischer Standards und systemischen Versäumnissen funktioniert, die anderswo in der medizinischen Praxis undenkbar wären. Lässt eine Situation, in der ein älterer Mann mehrere jüngere Frauen und Teenager ermutigt und direkt tötet und offen sagt, er wolle den Tod vieler anderer beschleunigen, in den Niederlanden keine Alarmglocken schrillen? Warum wird das innovative niederländische Euthanasiegesetz, das für einen grundsätzlich humanen Aspekt der Linderung von Leiden stand, von bestimmten Ärzten (und Patienten) verzerrt und manipuliert und so inhuman gemacht? Jeder medizinische Fachmann hat die Verantwortung, Versorgung nach dem neuesten Stand der Wissenschaft zu leisten und die heute verfügbaren erfolgreichen Behandlungen zu kennen. Während Unwissenheit in anderen medizinischen Bereichen Patienten unbeabsichtigt töten kann, kann sie in der Psychiatrie dazu führen, dass Patienten vorsätzlich getötet werden, mit voller gesetzlicher Billigung durch die niederländischen Gesetzgeber. Man braucht kein Medizinstudium, um zu erkennen, dass diese Praxis in klarem Widerspruch zu gesundem Menschenverstand, Rationalität und evidenzbasierten klinischen Standards steht. Wie viele weitere behandelbare junge Patienten müssen vorsätzlich getötet werden, wie viele verwaiste Kinder, verwitwete Partner oder trauernde Eltern wird es brauchen, bis niederländische Ärzte, ihre medizinischen Vereinigungen, Politiker oder die breite Öffentlichkeit reagieren? Was einer Prüfung nicht standhält, verdient keine stille Akzeptanz. In Fragen von Leben und Tod ist Schweigen keine Neutralität, sondern Komplizenschaft. Diese erstreckt sich auf alle, die diese Worte lesen, die Wahrheit erkennen und sich entscheiden wegzusehen. Angesichts vermeidbaren Todes passiv zu bleiben heißt, auf der falschen Seite der Medizin, der Vernunft und der Menschlichkeit zu stehen.

Mögen diese sinnlosen Todesfälle zu kritischer Reflexion darüber führen, was schiefgelaufen ist, dazu, die Ausbildung fachkundiger Psychiater zu verbessern, und dazu, diese unnötigen Todesfälle zu stoppen. Vor allem aber sollten wir Patienten und Familien, die schwerem psychiatrischem Leiden ausgesetzt sind, präzise, nachweislich wirksame psychiatrische Versorgung und dauerhafte Unterstützung geben, damit sie nicht nur überleben und sterben, sondern anfangen können zu leben.

31. Institutionelle Nicht-Antwort

Im Anschluss an die in diesem Beitrag vorgelegte Dokumentation und Analyse wurden die Königlich Niederländische Ärztevereinigung (KNMG) und die Niederländische Vereinigung für Psychiatrie (NVvP) formell kontaktiert und eingeladen, zu den dokumentierten institutionellen Daten und den wissenschaftlichen Befunden aus peer-reviewten Veröffentlichungen Stellung zu nehmen. Die niederländische Ärztevereinigung, obwohl sie die Ärzteschaft insgesamt vertritt und dieselbe Dokumentation erhalten hatte, schob die Verantwortung vollständig auf die Niederländische Vereinigung für Psychiatrie ab und ging nicht auf den Inhalt der vorgebrachten Bedenken ein. In schriftlicher Korrespondenz erklärte die Niederländische Vereinigung für Psychiatrie, sie habe keine Kapazität, den Inhalt dieser Befunde zu widerlegen. Trotz dieses Ausbleibens einer Auseinandersetzung versichert die Niederländische Vereinigung für Psychiatrie mit Rückendeckung der Niederländische Ärztevereinigung, der Regionalen Euthanasieprüfungskommissionen und der niederländischen Behörden den Patienten und der breiteren Öffentlichkeit weiterhin, psychiatrische Euthanasie sei sicher, sorgfältig und jenseits ernsthafter Infragestellung.

Peter Kronenberg, MD, PhD

Facharzt für Urologie / urologischer Chirurg

Fellow des European Board of Urology

Ehemaliger Präsident der PETRA Urogroup (Progress in Endourology, Technology and Research Association)

ESU (European School of Urology) Faculty/Trainer

Wissenschaftlicher Berater führender Medizintechnikunternehmen

Ehemaliger leitender Sanitätsoffizier

Haftungsausschluss: Die vom Autor veröffentlichten Meinungen spiegeln nicht notwendigerweise die Auffassungen der Organisationen wider, denen der Autor angehört.

Finanzierung: Diese Arbeit erhielt keine externe Finanzierung.

Interessenkonflikt: Der Autor erklärt, dass keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit dieser Arbeit bestehen.

Hinweis zur Übersetzung: Die deutsche Fassung dieses Artikels wurde vom Autor selbst erstellt; Deutsch ist eine seiner Muttersprachen.

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